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Tuning-Szene: Eine Subkultur feiert sich bei Ikea

Beim getunten Auto darf eine besondere Felge nicht fehlen.(c) REUTERS (© Ina Fassbender / Reuters)
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Auto-Tuning ist eine Leidenschaft, die längst nicht nur Technik-Nerds in ihren Bann zieht. In Österreich treffen sich Gleichgesinnte regelmäßig auf Parkplätzen. Mit im Gepäck: Ehrgeiz, Perfektionismus und ein Campingsessel.

Ein bisschen mehr geht immer. So tickt der klassische Tuner. Meist ist die Felge und kürzere Federn die Einstiegsdroge in eine Leidenschaft rund um tiefer gelegte Autos, Spoiler, Soundsysteme und auffällige Lackierungen und Folierungen. Ob alt oder neu: Hauptsache das Auto ist maximal optimiert. Im Prinzip geht darum, die Schönheit oder die Leistung eines Wagens zu verbessern. Am beste beides, wobei Schönheit im Auge des Betrachters liegt.

Sucht nach Tiefe, Breite oder Geschwindigkeit

"Plastikbomber oder Forstinger-Tuning-Stil gehen gar nicht", sagt Gregor Nezval im Gespräch mit der "Presse". Der bekennende Tuner und gelernte Kfz-Lackierer wollte schon als kleiner Junge nicht mit den gleichen Rädern wie die anderen unterwegs sein. "Ich habe Fahrräder zerlegt, umlackiert oder Teile abgebaut, die eine gewisse optische Linie gestört haben", erzählt er von den Anfängen seiner Leidenschaft. So hat er schon damals auch Bremsleitungen oder Hebeln entfernt - "weil es ohne einfach besser aussah". Das hat viel mit Auto-Tuning gemeinsam. Denn für ihn geht es vor allem um Individualität und Kreativität. Tuner wollen sich durch ihr Fahrzeug von der Masse abheben und ihre Persönlichkeit zum Ausdruck bringen.

Opel Rekord – Baujahr 1970

Sein bisher spannendstes Projekt war ein Opel Rekord C - Baujahr 1970. Für 150 Euro hat Nezval die "Autoleiche" gekauft, 16.000 Euro investiert und acht Jahre lang daran geschraubt. "Ich habe jedes Teil des Autos mehrmals in der Hand gehabt. Da baut sich schon eine ganz eigene Verbindung auf. Teilweise auch eine Hassliebe". Ohne Freunde und professionelle Unterstützung gehe beim Tuning gar nichts.

Sind die Technischen Veränderungen (die original für das Fahrzeug freilich nicht vorgesehen sind) endlich geschafft, kommen die behördlichen Hürden dazu. Auch dafür braucht man ordentlich Budget. "Das ganze Umgebaute sollte ja alltagstauglich und sicher sein. Mit den entsprechenden Eintragungen macht es gleich mehr Spaß und man hat nicht bei jeder Verkehrskontrolle Schweißausbrüche", sagt der 40-Jährige Wiener.

Campingsessel als Standard-Tool

Gleichgesinnte trifft man bei Tuning-Treffen oder Tankstellen. Dort zeigt man stolz die neusten Veränderungen am aktuellen Projekt. Das wahrscheinlich bekannteste ist das GTI-Treffen am Wörthersee. Für Insider hat sich der Tuning-Gipfel allerdings zeitlich verschoben. Relevant sind die Wochen vor und nach dem offiziellen Termin. So umgehen die Tuner vermehrte Polizeikontrollen und unnötige Saufgelage.

GTI-Treffen im Wandel

Abseits von Reifnitz finden in Österreich regelmäßig kleinere Treffen ewta auf P&R-Parkplätzen statt. In Wien ist der SCS-Parkplatz ein beliebter Sammelplatz für Tuner – sogar die an Samstagen stets überfüllte Ikea-Garage galt lange Zeit als Treffpunkt in der Szene. Ganz unabhängig davon, wo man zusammentrifft, ein wichtiges Utensil darf nie fehlen: Der obligatorische Campingsessel im Kofferraum. Er gilt als Standard-Tool im getunten Wagerl.

Gibt es das perfekt getunte Auto?

Aber wie sieht das ideal getunte Auto nun eigentlich aus? Hier scheiden sich die Geister. Für die Jury bei Tuning-Treffen sind gewöhnlich ein neu gestalteter Innenraum, ein aufgemachter Motor, die besonderen Felgen, knapp abschließende Kotflügel, ordentlich Tiefgang, die grundsätzlichen Merkmale, die ein getuntes Auto vorzuweisen hat. Eines ist klar: Ohne Extrem-Tieferlegung geht in der Szene nichts. Wenn das Auto nicht fast am Boden schleift, braucht man gar nicht erst zu einem Treffen oder einer Preisverleihung kommen.

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