Der Tabellenletzte braucht eine Million Euro zum Überleben. Landeshauptmann Dörfler fordert den Klubpräsidenten auf, nicht nur beim Steuerzahler, sondern auch bei privaten Sponsoren anzuklopfen.
KLAGENFURT. Nach der 1:3-Niederlage gegen Rapid schienen die Tage von Kärnten-Trainer Frenkie Schinkels gezählt. Der Klub liegt abgeschlagen am Tabellenende. Nach einem Treffen am Donnerstag mit Klubpräsident Mario Canori aber konnte der gebürtige Niederländer durchatmen. „Er sprach mir das Vertrauen aus“, sagte Schinkels zur „Presse“. „Ich darf nicht nur, sondern ich soll bis Saisonende weitermachen. Wir stehen das gemeinsam durch. Mir gibt das Kraft, jetzt kehrt Ruhe ein. Unser Ziel ist klar: Wir müssen Neunter werden.“
Als wäre die sportliche Misere nicht schon prekär genug, plagen die Kärntner auch finanzielle Sorgen. Selbst wenn Schinkels bis Saisonende die rote Laterne abgibt, ist von einem Klassenerhalt noch lang keine Rede. Denn dazu fehlt dem Verein eine Million Euro.
Jene Million nämlich, die der Klub benötigt, um in der Hypo Arena in Klagenfurt zu spielen. „Das Stadion ist eine Diva und teuer“, sagt Klubpräsident Mario Canori zur „Presse“. Die Kosten für die Infrastruktur tragen noch in dieser Saison das Land Kärnten und die Stadt Klagenfurt. Ob die öffentliche Hand auch nächste Saison für die Kosten aufkommen wird? „Alles ist offen“, sagt Canori. Bis 15. März nächsten Jahres muss er der Bundesliga seine Finanzierung darlegen.
„Zuerst müssen sportliche Erfolge her, bevor wir übers Geld reden“, sagt Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler im Gespräch mit der „Presse“. Er wünsche sich natürlich, dass die Kärntner der Bundesliga erhalten bleiben. Und er leide mit dem Klub. „Da war bei den Niederlagen auch sehr viel Pech dabei“, gesteht er ein. Trotzdem müsse es eine sportliche Perspektive geben. Dörfler möchte diese bis Ende des Jahres erkennen. „Ich kann für den Klub nicht die Tore schießen.“
Und er könne auch nicht mehr so viel Steuergeld locker machen. Auch die öffentliche Hand müsse der wirtschaftlichen Lage Tribut zollen, betont Dörfler und richtet Austria-Kärnten-Präsidenten Canori aus: „Nur der Politik auszurichten, dass man wieder Geld braucht, ist zu wenig. Aufgabe eines Klubpräsidenten ist es auch, selbst Sponsoren aufzutreiben.“
Damit wäre nach dem sportlichen und finanziellen auch die politische Komponente im Spiel. Denn Canori gilt in Kärnten als Dissident. Als BZÖ-Dissident. Einst treuer Wegbegleiter Jörg Haiders kehrte er nach dessen Tod dem BZÖ den Rücken zu und trat schließlich bei der Landtagswahl als Spitzenkandidat der FPÖ an.
Und weil diese politische Ebene so offensichtlich ist, wartet Dörfler im „Presse“-Gespräch gar nicht erst, bis er darauf angesprochen wird. „Die Parteipolitik hat nichts im Sport zu suchen“, stellt er eine politische Komponente in Abrede.
Dessen ungeachtet gerät Austria-Präsidenten Canori immer stärker unter Druck. Während Trainer Schinkels bis Saisonende fest im Sattel sitzt, dürfte die Zukunft seines Präsidenten mehr als ungewiss sein.
„Unvermögen“ einiger Kicker
Und was das Sportliche betrifft, ist Trainer Schinkels ohnehin vom Klassenerhalt überzeugt. Man habe sich gegen Rapid nicht als Absteiger präsentiert. Die Niederlage sei erneut dem „Unvermögen“ einiger Kicker geschuldet. Nicht falsches Training oder mangelnde Kondition seien schuld, sondern fehlende Qualität. Ein Fehlpass dort, ein Stellungsfehler da – Kleinigkeiten, die sich zu Niederlagen summieren. Freilich: Unumstritten ist Schinkels längst nicht mehr. Ein Vorstandsmitglied und Journalist hat Schinkels in der „Kärntner Tageszeitung“ als „Rudi Carell vom Wörthersee“ bezeichnet und sich über seine Trainingsmethoden belustigt. „Das ist weder sachlich noch seriös“, ist Schinkels erbost. „Und daher spreche ich mit diesem Herren nicht mehr.“ Bei Austria Kärnten bleibt es spannend. Vor allem auch außerhalb des Spielfelds.
>>> Österreichische Bundesliga: Die Tabelle
Austria Kärnten – Rapid 1:3 (0:0). Hypo Arena, 9000, Prammer. Tore: Kaufmann (58.) bzw. Drazan (81., 89.), Gartler (84.).
Kapfenberg – Austria 1:0 (0:0). Franz-Fekete-Stadion, 3500, SR Hameter. Tor: Felfernig (83.).
Ried – Wiener Neustadt 3:0 (2:0). Ried, 4500, SR Schörgenhofer. Tore: Nuhiu (40., 42.), Huspek (87.).
Lask – Salzburg0:0. Gugl, 9000, SR Stuchlik.
Mattersburg – Sturm 0:2 (0:1). Pappelstadion, 4200, SR Brugger. Tore: Jantscher (42.), Hölzl (57.). Gelb-Rot: Naumoski (69./Kritik), Atan (78./Foul).
14. Runde, Samstag (18 Uhr): Rapid - Ried, Wr. Neustadt - Austria, Salzburg - Mattersburg, Sturm Graz - Kärnten. Sonntag (15.30): Kapfenberg - Lask, alle Spiele live im DiePresse.com-Liveticker
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2009)