Betrugsverdacht gegen deutsche Hedgefondsgruppe

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Die deutsche K1-Gruppe kooperierte mit der Vienna Insurance Group. Die Kooperation lief über die VIG-Tochter Vienna Life in Liechtenstein.

Wien. In Deutschland sorgen Betrugsvorwürfe gegen den Hedgefondsanbieter K1 für Schlagzeilen. Der Gründer der K1-Gruppe, Helmut Kiener, sitzt wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs in Untersuchungshaft. Sein Anwalt will dagegen berufen. Für Kiener gilt die Unschuldsvermutung. Die Behörden gehen dem Vorwurf nach, dass der Fonds Großbanken in aller Welt um 400Mio. Dollar geprellt haben soll. Zu den mutmaßlichen Opfern der K1-Gruppe gehören dem Vernehmen nach Barclays, JP Morgan Chase und BNP Paribas, die der Gesellschaft Kredite gewährt haben sollen.

Die K1-Gruppe hat in Deutschland auch sogenannte „Hedgefondspolizzen“ verkauft. Laut „Presse“-Informationen wurde dabei mit der Vienna Insurance Group (VIG – Wiener Städtische Versicherung) zusammengearbeitet. Die Kooperation lief über die VIG-Tochter Vienna Life in Liechtenstein. Die „K1-Vienna-Life-Global-Hedgefonds-Polizze“ wurde auch in Form von Sparplänen angeboten. Dadurch konnten sich auch Privatanleger mit kleineren Beträgen engagieren. Auf der Homepage von K1 werden die Produkte nach wie vor beworben – mit dem Logo der Wiener-Städtischen-Tochter in Liechtenstein. Die Wiener Städtische ist seit 2004 mit der K1-Gruppe im Geschäft. Inhaber der Hedgefondspolizzen investierten ihr Geld in Genussrechte der Firma K1 Global Ltd mit Sitz auf den British Virgin Islands. Die in den karibischen Steueroasen (British Virgin Islands und Cayman Islands) angesiedelten Fonds unterliegen so gut wie keiner Einkommen-, Körperschafts- oder Quellensteuer.

Wiener-Städtische-Chef Günter Geyer sagte dazu: „Der Kontakt zur K1-Gruppe wurde in Deutschland über einen Makler hergestellt.“ Die Wiener Städtische trage bei den Hedgefondspolizzen aber nur das Versicherungsrisiko. „Für die Veranlagungsseite ist ausschließlich K1 verantwortlich“, so Geyer. Die Wiener Städtische habe die Hedgefondspolizzen nie verkauft, „sondern sie wurden nur von K1 beziehungsweise über Makler vertrieben“. Rechtliche Probleme aus den jüngsten Ereignissen erwartet sich Geyer nicht. „Wir haben die Zusammenarbeit bei neuen Verträgen vor einem halben Jahr eingestellt.“

Jährliche Rendite von 15 Prozent

Der in Aschaffenburg wohnhafte Diplompsychologe Kiener war lange Zeit einer der Stars in der Hedgefondsbranche. Er hat mit seinen Produkten zeitweise eine Rendite von 15 Prozent pro Jahr erwirtschaftet. Zum Einsatz kam ein von Kiener selbst entwickeltes Dach-Hedgefondssystem. Das heißt, mit dem Geld der Investoren wurden andere Hedgefonds gekauft. Genaue Rechenschaft über die Strategie und die Zielfonds blieb K1 jedoch mit dem Verweis auf Wettbewerbsgründe schuldig. Dem Vernehmen nach verwaltet K1 ein Vermögen von 600 Millionen Euro. Die deutsche Finanzaufsicht wollte 2001 die Gesellschaft daran hindern, Geld bei deutschen Investoren einzutreiben. Die Fondsgesellschaft legte daraufhin diverse Zertifikate auf. Solche Zertifikate wurden auch in Österreich vertrieben. Bei der Rückzahlung einiger Anlagevehikel kam es zuletzt zu Verzögerungen.

Auf einen Blick

Der deutsche Gründer und Verwalter der Hedgefonds-Gruppe K1, Helmut Kiener, sitzt wegen des Verdachts des Betruges und der Untreue in Untersuchungshaft. Er soll Großbanken in aller Welt um 400 Mio. Dollar geprellt haben. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Anlagevehikel von K1 wurden auch in Österreich verkauft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2009)

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