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Frau in Wien wegen Telefonierens am Rad festgenommen

Die Amtshandlung vor dem Burgtheater
Die Amtshandlung vor dem BurgtheaterDie Presse

Vor dem Burgtheater wurde eine Radfahrerin von mehreren Polizisten festgenommen, weil sie am Rad telefoniert hatte. Passanten kritisieren die heftige Amtshandlung.

Vor dem Burgtheater spielten sich am Dienstagvormittag befremdliche Szenen ab. Passanten und eine "Presse"-Redakteurin beobachteten, wie mehrere Polizisten eine zierliche Radfahrerin brutal festnahmen. Die Frau rief um Hilfe. Auf Nachfrage weigerten sich die Beamten, den Grund für die Festnahme bekanntzugeben.

Was war passiert? Die Radfahrerin fuhr den Ringradweg entlang und telefonierte dabei. Ein Fahrradpolizist erwischte die Frau, wies sie an, stehenzubleiben. Diese fuhr aber einfach weiter und blieb erst vor dem Burgtheater stehen - woraufhin sie eben festgenommen wurde. Nachdem ihr laut Zeugen nach mehrmaliger Nachfrage der Grund nicht genannt wurde, warum sie denn nun festgenommen werden soll, wurde sie laut und emotional. Daraufhin rief der Polizist offenbar Verstärkung - ein ganzer Bus Polizisten kam und unterstützte die Amtshandlung. Die Beamten drückten die zierliche Frau mit dem Gesicht gegen das Burgtheater, legten Handschellen an. Erst dann nannte er ihr eine Gesetzesstelle, mit der er die Festnahme rechtfertigte.

Wegen drei Delikten angezeigt

Die Passanten waren einigermaßen verwundert, wie es zu einer derart heftigen Amtshandlung wegen Telefonierens am Fahrrad kam - und warum derart viele Polizisten notwendig seien, um eine etwa 50 Kilogramm schwere Frau unter Kontrolle zu bringen.

Seitens der Wiener Polizei wurde das folgendermaßen argumentiert: "Laut dem Bericht des Polizisten wurde die Frau verhaftet, weil sie sich einer Amtshandlung widersetzte und sich aggressiv gegenüber der Polizei verhielt", sagt Polizeisprecher Patrick Maierhofer zur "Presse". Dass derart viele Polizisten angerückt seien, habe damit zu tun, dass eben immer eine ganze Verstärkungseinheit anrücke, die eben diese Anzahl an Beamten umfasse. Die Frau sei wegen Telefonierens am Rad, Missachtung einer Amtshandlung und aggressiven Verhaltens gegen die Polizei angezeigt - und kurz danach wieder freigelassen worden. Sollte eine offizielle Beschwerde eingehen, werde man dieser nachgehen.

Handy am Fahrrad

Analog zum Autofahren ist Telefonieren mit dem Handy beim Fahrradfahren seit März 2013 verboten. Auch am Rad ist Telefonieren mit Freisprecheinrichtung erlaubt. Ein Verstoß wird mit 50 Euro Organmandat geahndet. Im Falle einer Anzeige kann die Behörde eine Geldstrafe bis 72 Euro verhängen.

(ath)