Innenpolitik

Ärztekammer warnt vor der „Ärzte-Hölle“

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THEMENBILD: MEDIZIN / GESUNDHEIT(c) HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com (HELMUT FOHRINGER)

Mit einem „Krisengipfel“ hat die Ärztekammer auf den Gesetzesentwurf für die Primärversorgung reagiert. Was die Ärzte befürchten – und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass dies auch eintritt.

Wien. Der Gesetzesentwurf für die Einrichtung von Primärversorgungseinheiten treibt die Ärzteschaft erneut auf die Barrikaden. Am Mittwoch wurde in Wien ein „Krisengipfel“ einberufen, die „Substanz der Gesundheitsversorgung“ sei gefährdet, sagte Vizepräsident Johannes Steinhart. Und Ärztevertreter Karlheinz Kornhäusl sprach davon, dass den Ärzten der Himmel vorgegaukelt werde, in Wahrheit werde man sich aber gemeinsam mit den Patienten in der „Ärzte-Hölle“ wiederfinden.

Das stimmt zweifellos. Allein in Wien sollen 40 Prozent der Allgemeinmediziner in Primärversorgungseinheiten arbeiten. Der Hausarzt, der allein in seiner Praxis sitzt, wird damit zwar nicht völlig verschwinden, es wird aber zunehmend andere Formen der Betreuung geben. Wirklich sinnvoll ist das Konzept dann, wenn es damit gelingt, die Versorgung der Patienten zu verlagern – weg von den teuren Spitälern und Spitalsambulanzen hin zu den niedergelassenen Ärzten.

Diese Möglichkeit ist im Gesetz tatsächlich vorgesehen, allerdings nicht für bestehende Verträge. Wer aber künftig einen Vertrag als Hausarzt bekommt, müsste in eine Primärversorgungseinheit wechseln, so in seiner Region eine geplant wird (für die Planung sind Länder und Krankenkassen zuständig). Dass dies für bestehende Verträge nicht gilt, birgt einiges an Konfliktpotenzial: Was passiert, wenn alle Ärzte einer Region den Wechsel verweigern? Gibt es dann eine Überversorgung mit Hausärzten plus Primärversorgungseinheit?

Auch das ist eher unwahrscheinlich: Das Gesetz sieht sogar ausdrücklich vor, dass in Gruppenpraxen die freie Arztwahl zu gewährleisten ist. So der Arzt des Vertrauens anwesend ist, was bei langen Öffnungszeiten nicht immer der Fall sein wird. Allerdings ist auch der Hausarzt nicht rund um die Uhr anwesend.

Das ist tatsächlich die Nagelprobe für das Konzept der Primärversorgung: Derzeit sind 200 Millionen Euro vorgesehen, wobei es sich aber nicht um zusätzliche Mittel handelt, sondern um Geld der Kassen, das umgeschichtet wird. Funktionieren wird das Konzept der Primärversorgung aber nur, wenn deutlich mehr Geld ins System fließt, was nur geht, wenn der Spitalsbereich redimensioniert wird und die frei werdenden Mittel in den niedergelassenen Bereich umgeleitet werden. Das aber wäre ein politischer Kraftakt.