Schnellauswahl

Audimax-Besetzer: "Bei uns kann sich jeder einbringen"

(c) Michaela Bruckberger
  • Drucken

livechat Chat-Nachlese: Niko und Barbara von den Audimax-Besetzern über die Forderungen der Studenten, "fehlgeschlagene" Bildungspolitik und einen "barrierefreien" Bildungszugang.

  • 13:59 Audimaxbesetzer

    Hallo liebe UserInnen! Wir sind Barbara und Niko von der Audimax-Besetzung. Wir freuen uns dass ihr dabei seid und hoffen auf viele interessante Fragen.


  • 14:00 Koprolalist

    Eingangs möchte ich Euch sagen, dass ich die Proteste sinnvoll und unterstützenswert finde. Was mich jedoch stört ist der Umstand, dass sich Gruppen innerhalb der Protestbewegung wichtig machen, deren Anliegen nichts mit dem Bildungswesen per se zu tun haben, wie zum Beispiel radikale Feministinnen. Was tut ihr dagegen?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Wir tun gar nichts dagegen! Da wir basisdemokratisch agieren sind bei uns alle willkommen, jede und jeder kann sich einbringen.


  • 14:02 DiePresse.com.Moderator


  • 14:05 dobe

    Lieber Niko, liebe Barbara - ich möchte euch danken, dass ihr euch die Zeit nehmt, euch einer niveauvollen Diskussion in diesem Rahmen zu stellen. Meine Frage an euch ist die nach Strategien/Lösungsvorschlägen zur Durchsetzung der Forderungen, die im Laufe der Besetzung formuliert wurden. Für eine/n Außenstehende/n klingen diese nämlich zunächst utopisch und unglaubwürdig - als wäre der Staat eine eierlegende Wollmilchsau. Welche Möglichkeiten seht ihr zu deren Realisierung?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Robert Menasse, der am Montag bei uns im Audimax gesprochen hat, meinte, dass unsere Forderungen "extrem bescheiden" sind. Auch viele Lehrende schließen sich ihnen an, genauso wie der wiener und der burgenländische Gemeinderat! Von Utopie kann also keine Rede sein. Für die Realisierung ist die Politik verantwortlich, angefangen bei Minister Hahn.


  • 14:07 argentina

    staatliche mittel sind begrenzt, konsequenterweise muss man sich, wenn man mehr geld für bildung will, auf einen verteilungskampf einlassen -- und zwar mit denen, die "unsolidarisch" sind (in ö ganz speziell den pensionisten!). stattdessen sehe ich aber solidarisierung mit den überzogenen pensionistenforderungen. inwiefern macht das sinn??

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Auf eine Verteilungsdebatte werden wir uns ganz sicher nicht einlassen, genauso wenig werden wir uns gegen andere Bevölkerungsgruppen ausspielen lassen. Für Banken und Konzerne steht genug Geld zur Verfügung, da darf bei der Bildung nicht eingespart werden. Immerhin wollen wir ja eine moderne Wissensgesellschaft sein!


  • 14:08 DiePresse.com.Moderator


  • 14:10 peraugym

    Warum sind Studiengebühren mit einem sozial treffsicheren Stipendiensystem keine Lösung für das österreichische Uni-System?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Minister Hahn hat die Studiengebühren vorgeschlagen, um die steigenden Studierendenzahlen zu bremsen! Studiengebühren sind also keine Lösung. Wir wollen nicht weniger, sondern mehr Studierende! Unser größtes Anliegen ist der barrierefreie Bildungszugang, um studieren für alle möglich zu machen.


  • 14:12 DiePresse.com.Moderator


  • 14:13 DoinLeone

    Den Protesten mag man skeptisch gegenüberstehen- bemerkenswert ist auf alle Fälle, wie sich diese Bewegung organisiert! Wie ist es von Statten gegangen, dass da plötzlich Leute waren, die sich um die Internetpräsenz gekümmert haben, andere um die Medien und wieder andere um das so wichtige Essen? Und wer ist es eigentlich, der letztendlich die Fäden zieht?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Es ist auch für uns erstaunlich und faszinierend, wie schnell und vor allem effizient sich die verschiedenen Arbeitsgruppen organisieren. Da uns unsere Anliegen so wichtig sind, gibt es unglaublich viele Menschen, die sich engagieren und mitarbeiten. (Das Essen in der Volxküche ist übrigens ganz ausgezeichnet!) :-)


  • 14:16 DisGruntler

    Ihr fordert Demokratie, lasst aber Leute, die nicht eurem Weltbild entsprechen, nicht im Audimax auftreten, oder buht sie aus, wenn sie reden wollen. Wie sollen solche Plena "für alle" reden, wenn sie nicht einmal gegenteilige Ansichten zulassen? Wie rechtfertigt sich diese ideologische Inzucht?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Vielleicht hast du einfach nur zur falschen Zeit im Live-Stream zugeschaut? Bei uns dürfen nämlich alle reden, da wir uns basisdemokratisch organisieren. Ihr seid übrigens alle herzlich eingeladen, an den Diskussionen im Audimax teilzunehmen. Kommt einfach vorbei!


  • 14:19 root

    Ich möchte nochmal auf die Frage von Koprolalist zurückkommen. Wenn sich bei euch also jeder einbringen kann, besteht dann nicht die Gefahr, eure Ziele völlig aus den Augen zu verlieren und sich in utopischen, gesellschaftspolitischen Diskussionen zu verlieren, die nichts mit der Situation an der Uni zu tun haben? Abgesehen davon: Es wurde berichtet, dass etwa Vertreter der Jungen Liberalen nicht am Plenum zu Wort gelassen wurde, weil sie nicht "basisdemokratisch legitimiert" sind. Wer ist das aber?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Einbringen darf sich jede und jeder, aber es wird ja trotzdem abgestimmt. Außerdem achten wir darauf, die eigentlichen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Von dem Jungen Liberalen Vertreter ist uns nichts bekannt. Da handelt es sich vielleicht um ein Missverständnis.


  • 14:23 metis

    Die ursprünglichen Konzeption der Uni als Ort der Einheit von Forschung und Lehre war doch eigentlich schon auf Exzellenz ausgerichtet (Mittelmaß bringt ein Fach ja selten vorwärts). Könntet ihr euch nicht vorstellen, dass eure Forderungen zu einer weiteren Vermassung an den Unis und tendentiell mittelmäßigere Leistungen führen würden?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Da können wir nicht ganz zustimmen. Die Universität sollte ja nach Humboldtschen Bildungsidealen ausgerichtet sein - da hat "Effizienz" im Sinne von ökonomischer Produktivität nichts zu suchen. Und was ist schon Mittelmaß?


  • 14:25 gst

    Wieviele Arbeitsgruppen gibt es inzwischen?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Es bilden sich jeden Tag neue Arbeitsgruppen, den genauen Überblick hat nur das Wiki auf unsere Homepage: http://unsereuni.at


  • 14:27 ayle

    Wenn man Ihre Argumentation und Forderungen zu Ende denkt, so würden wahrscheinlich tatsächlich viel viel mehr studieren, aber auch aus ganz Europa. Die Uni Wien hätte wahrscheinlich allein 10.000 Studenten mehr. Ihre Forderungen kosten Milliarden und Abermilliarden von Euro, das ist sehr wohl utopisch und nein, das Geld ist nicht vorhanden, sonst würde die Staatsschuldenquote nicht um 87 MRD!!!!! steigen. Wie rechtfertigt Ihr weitere Belastungen auf dem Rücken zukünftiger Steuerzahler, also auch euch selbst?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Aber wo liegt denn das Problem? Wir wollen doch mehr Internationalisierung an der Uni, das bringt Input und Vernetzung. Außerdem bleiben viele Studierende auch nach der Uni da. Die stärken dann den Mittelstand, zahlen Steuern, und teilen sich also mit uns die Staatsverschuldung ;-)


  • 14:30 JimPanse

    Hallo ihr beiden. Meine Frage bezieht sich auf die Besetzung per se. In Österreich gilt doch das Recht auf Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung. Von demher könnte jeden Tag auf allen möglichen Plätzen demonstriert werden. Aber ist es wirklich notwendig die Unis zu besetzen und den Lehrbetrieb einzuschränken und zu blockieren?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Aber wir tun das ja nicht zum Spaß! Es tut uns leid wenn Vorlesungen ausfallen, aber anders könnten wir auf die Missstände nicht aufmerksam machen!


  • 14:30 DiePresse.com.Moderator


  • 14:31 gst

    Gibt es einzelne Fälle (z.B. Doktoratsstudien) in denen Zugangsbeschränkungen (z.B. anhand eines international anerkannten GRE Scores) für euch gerechtfertigt sind, oder sind diese Beschränkungen generell abzulehnen?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Das ist eine sehr konkrete Frage. Es fällt uns schwer diese im Sinne von allen BesetzerInnen zu beantworten. Grundsätzlich steht aber unsere Forderung: Freier Bildungszugang!


  • 14:36 MTKK

    Als Reaktion auf die Besetzung hat die Initiative "Studieren statt Blockieren" innerhalb kurzer Zeit eine große Anhängerschaft gefunden. Wird es einen Konsens geben, um gemeinsam mehr erreichen zu können? Als Beobachter mag man mittlerweile zwei Gruppierungen erkennen: die links der Mitte (die Besetzer) und die rechts der Mitte ("Studieren statt Blockieren"). Trifft diese Einteilung zu?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Die Einteilung in links und rechts lehnen wir ausdrücklich ab! Zur Gruppe "Studieren statt Blockieren": Wenn man sich dort die Postings anschaut, sieht man, dass viele auch dort unsere Forderungen unterstützen. Wie gesagt: Ohne Besetzung hätten wir keine Aufmerksamkeit für unsere Probleme!


  • 14:38 Tatjana0990

    wieso besetzt ihr nicht einfach das Wissenschaftsministerium?? das bringt euch mehr und vor allem würden sich leute die ernsthaft studieren nicht über entfallene Vorlesungen ärgern

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Gute Idee! Aber gibts dort auch einen Raum mit Bühne indem wir so tolle Vorträge abhalten könnten wie im Audimax? Robert Menasse, Corinna Milborn, Robert Misik, Armin Thurnher - die würden dorthin ja gar nicht kommen ;-)


  • 14:40 DiePresse.com.Moderator


  • 14:41 Unterschichtskind

    Im Stiegenhaus der Universität steht „Sexisten_Innen aufs maul“ und „Burschis aufs Goscherl“ Wie stehen Sie zu diesen offenen Aufrufen zur Gewalt? Polemische Konsequenz: die Besetzer hauen sich selbst? oder nur Lausbuben?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Damit haben wir sicher nichts am Hut. Es gibt immer Einzelne, die sowas machen. Wir lehnen das aber ab.


  • 14:43 root

    wie geht es weiter? hahn ist ja quasi weg. was macht ihr, wenn ihr weiter ignoriert werdet? besetzung bis ans ende der tage?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Ignoriert werden wir mittlerweile nicht mehr. Bis hin zum Bundeskanzler haben sich viele PolitikerInnen nicht nur geäußert, sondern auch Verständnis gezeigt. Besetzung bis die Volxküche kein Essen mehr hat! :-)


  • 14:46 kripale

    Auch ich bin ein überzeugter Verfechter des freien Unizugangs; aber bei bestimmten Punkten zweifle ich an diesem Prinzip: Hat die Allgemeinheit ein berechtigtes Interesse, zB 1000e Psychologen oder Politikwissenschafter pro Jahr auszubilden? Oder könnten faire "Zugangsbeschränkungen", wie zB eine Studieneingangsphase in Fällen Sinn machen, in denen die Nachfrage nach den Studienplätzen den Bedarf der Allgemeinheit nach solchen Spezialisten um ein Vielfaches übersteigt?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Jede und jeder sollte die Möglichkeit haben, den Studiengang zu wählen, den sie/er gerne möchte. Die Nachfrage nach AkademikerInnen ist nicht so klein, wie du es darstellst.


  • 14:47 DiePresse.com.Moderator


  • 14:48 CanisLumpus

    Warum setzt sich die Besetzer-Szene hauptsächlich aus Orchideen- und Jesusschlapfen-Studienrichtungsproponenten zusammen, während der Großteil der Hörer der ernsthaften Fächer versucht, trotz des angerichteten Chaos irgendwie mit dem Studium weiterzukommen?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Diese Behauptung können wir gar nicht nachvollziehen. Die BesetzerInnen stammen aus allen Studienrichtungen. Und was sind denn überhaupt ernsthafte Fächer?


  • 14:52 club

    Danke für die Diskussionsmöglichkeit, ich befinde mich derzeit auf einen ERASMUS Semester und bin an ende meines Bakkalaureats. Nach derzeitigem Schuldenstand werden noch unsere Enkel die Wahlzuckerl bezahlen, gut so sei es, es gab schließlich einen demokratischen Prozess. Doch was mir nicht einleuchten will ist das weitere Schulden gemacht werden sollen. Der (Steuer)Kuchen hat eben nur eine gewisse Größe und mit der sollte man auskommen. Wie soll die Finanzierung von statten gehen? Was mich weiter befremdet hat und doch ein Distanzierungsgrund war ist z.B. die Forderung "Universitäten statt Kasernen" bzw. ähnliches. Ich bin Milizsoldat und finde es amüsant das Gepredigt wird man solle jene die nichts haben Unterstützen, gleichzeitig soll einem Ministerium das seit Jahrzehnten mit weniger als 1% des BIP auskommt (oder auskommen muss) weiter beschnitten werden. Der tertiäre Bildungsbereich hat derzeit 1,8% des BIP zur Verfügung. So jetzt darf man natürlich nicht Äpfel und Birnen vergleichen aber trotzdem würde mich interessieren wie sich das Plenum die Finanzierung vorstellt, wem man was (und wie viel)wegnimmt, und was die Grundsätzlichen Lösungsansätze zu den durchaus berechtigten Problemen sind?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    "Universitäten statt Kasernen" steht nicht in unserem Forderungskatalog. Zur Finanzierung: Bildung schafft Rendite! Das ist ja kein hinausgeschmissenes Geld.


  • 14:54 gst

    Eine (ernstgemeinte) Schätzaufgabe: Wieviel Euro kostet ein einzelner Student die Uni pro Jahr?

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Ernst gemeinte Gegenfrage: Wieviel kostet die fehlgeschlagene Bildungspolitik in Österreich?


  • 14:55 DiePresse.com.Moderator


  • 14:59 phoenix

    Warum werden Personen wie Che Guevara und Fidel Castro zu Symbolen der Studentenbewegung? Als ich im Audimax war, habe ich gesehen dass deren Bilder ganz vorne beim Pult aufgestellt wurden. Das wirkt unsachlich, und ich denke viele die sich mit dem Protest an sich identifizieren können diese Symbolik nicht nachvollziehen. Nochdazu, da beide sehr umstrittene Charaktere sind. Wäre es nicht sinnvoller, mehr auf die jetzigen Forderungen der Studenten hinzuweisen, anstatt daraus eine politische Ideologiefrage zu machen? Danke für die Diskussionsmöglichkeit!

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Im Zentrum stehen nach wie vor die Forderungen, und auf die weisen wir auch hin. Wenn es ander Vorschläge für den Raumschmuck gibt, bitte her damit! ;-)


  • 15:03 CanisLumpus

    Abschlussfrage zum Chat hier: würdet ihr einen Politiker wählen der die hier gestellten konkreten Fragen so ausweichend und schwammig beantworten würde? Ganz ehrlich? :-)

    ANTWORT VON Audimaxbesetzer:
    Wir sind hier nicht als offizielle Stellvertreter der Besetzung. Das ist halt so mit der Basisdemokratie. Und wenn das dann ein wenig schwammig ist, dann bitten wir dafür um Verständnis.


  • 15:05 Audimaxbesetzer

    Wir bedanken uns für die interessanten Fragen, es hat uns wirklich Spaß gemacht. Wir laden euch übrigens alle herzlich ein, bei uns im Audimax vorbeizuschauen! Es gibt immer spannende Vorträge und Diskussionen. Danke auch an die Presse für die Einladung!


  • 15:07 DiePresse.com.Moderator

    Wir danken Niko und Barbara von den Audimax-Besetzern fürs Kommen. Ein Danke an unsere User für die unzähligen Fragen. Nicht böse sein, dass nicht alle beantwortet werden konnten.