Geschlechtergleichstellung als Wachstumsmotor? Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek im Gespräch mit der "Presse" über brachliegende Chancen.
Die Presse: „Geht es den Frauen gut, geht es der Wirtschaft gut“, so ein Zitat von Ihnen. Inwieweit ist Gleich- stellung ein wirtschaftlicher Erfolgs- faktor?
Gabriele Heinisch-Hosek: Laut einer Studie, die gerade bei einer EU-Konferenz in Stockholm vorgestellt wurde, könnte die Beseitigung von geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Beschäftigung eine BIP-Steigerung von 15 bis 45 Prozent bringen – für Österreich liegen Schätzungen bei 32 Prozent, übersetzt hieße das: Aus drei Prozent Wirtschaftswachstum werden vier.
Wie gut geht es Frauen angesichts der Wirtschaftskrise?
Die Krise kommt für Frauen auf leisen Sohlen, aber sie kommt. Erst waren die Industriearbeitsplätze und somit hauptsächlich Männer betroffen, nun zieht der Dienstleistungssektor nach. Wenn aufgrund steigender Arbeitslosigkeit die Nachfrage sinkt, wackeln weibliche Arbeitsplätze vor allem im Handel.
Und Frauen in den Führungsetagen?
Laut einer AK-Studie werden ja nur 4,6 Prozent der Topjobs in Österreich von Managerinnen bekleidet? Für mich die einzige Antwort: 40 Prozent Frauenquote in Aufsichtsräten nach dem norwegischen Vorbild. Gleichzeitig Empowerment, um Frauen für höhere Weihen fit zu machen. Ich selbst bin eine Quotenfrau und deswegen ja auch nicht weniger qualifiziert.
Das neue einkommensabhängige Kindergeld, nämlich 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens, soll mehr Väter in die (Kinderbetreuungs-) Pflicht nehmen. Wird es greifen?
Der neue Anreiz ist ein Geldanreiz und durchbricht die Mauer an Ausreden, die vor allem höhere Einkommensbezieher hatten. Parallel dazu ist es aber erforderlich, dass sich Unternehmenskulturen zugunsten karenzierter Väter verändern. Ich bin zuversichtlich, dass bald jeder fünfte Mann dieses Angebot nicht abschlagen kann.
Ein Paukenschlag war der „Equal Pay Day“. Wie viel Aktionismus braucht Frauenpolitik?
Komplexe Themen sollte man so vermitteln, dass sie verstanden werden. Es hat jedenfalls Betroffenheit ausgelöst, denn es ist nicht einzusehen, dass sich Österreich in puncto Gehaltsschere europaweit an vorletzter Stelle befindet.