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Posse um Schönheitssalon: "Da ist richtig Profit möglich"

Bekannter Besuch im Beauty-Salon: Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) mit Katia Wagner.
Bekannter Besuch im Beauty-Salon: Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) mit Katia Wagner.Presse/Hermers
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Nach einem öffentlich ausgetragenen Streit mit dem Arbeitsinspektorat kündigte eine Wiener Beauty-Salon-Besitzerin an, zusperren zu wollen- Ein Werbe-Experte erklärt, warum die Aktion dennoch zum Erfolg verhelfen könnte.

Das letzte Kapitel in der Geschichte rund um einen Schönheitssalon in der Wiener City ist noch nicht geschrieben. So lädt ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner am 24. März zu "Reformgespräch über den Arbeitnehmerschutz" im Wirtschaftsministerium. Der Vizekanzler will "die relevanten Gesetze und Verordnungen möglichst rasch praxistauglicher" gestalten. Unter den Eingeladenen sind nicht nur Unternehmer und Politiker, sondern auch die Schönheitssalonbetreiberin Katja Wagner, die mit ihrer scharfen Kritik an den Behörden für mediales Aufsehen sorgte.

PR-Experte sieht Werben-Nutzen

Wagner fühlt sich vom Arbeitsinspektorat übermäßig geprüft und mit Auflagen konfrontiert. Einen PR-Gag stellte die Unternehmerin stets in Abrede. Dennoch: Ein Werbe-Nutzen steht für den WU-Professor Martin Schreier, Leiter des Instituts Marketing Management, außer Zweifel. Zwar will der Experte Schreier den Werbewert aus zahlreichen Facebook-Postings und der Teilung von Postings sowie der Präsenz in Medien nicht konkret in Zahlen gießen. Er zählte im APA-Gespräch am Donnerstag aber zahlreiche Punkte auf, die seine These untermauern.

So sei es schon ein Grundpfeiler von Werbung an sich, sein Unternehmen, sein Produkt oder sich selbst bekannt zu machen, sagte Schreier. Und das gelinge der Unternehmerin zweifellos - egal ob bewusst oder nicht. "Sogar wenn ich negativ wahrgenommen werde, schaffe ich Awareness (Bewusstsein/Bekanntheit, Anm.)", so Schreier. Er verwies auf eine US-Studie von Wissenschaftern renommierter Universitäten wonach es für die Verkaufszahlen besser ist, wenn die New York Times ein Buch in ihrer Kritik zerreißen, als wenn das Buch gar nicht vorkommt.

"Jeder kennt jetzt das Geschäft"

"Das trifft vollkommen auf dieses Geschäft zu", sagt Schreier. "Jeder kennt jetzt das Geschäft. Das kann sich auch positiv auswirken, wenn die Unternehmerin umstrukturiert." Wenn wo anders wiedereröffnet werde oder noch mehr Filialen eröffnet würden, "ist richtig Profit möglich", so der WU-Professor und -Institutschef. Warum? "Weil die Leute so etwas abspeichern und es eben auch bei negativen Nachrichten positive Auswirkungen geben kann."

Gänzlich negativ wurden die Vorgänge medial aber keineswegs transportiert. "Da kommt der sogenannte Underdog-Effekt hinzu", verweist Schreier auf einen weiteren Grundsatz in der Werbung. Hierbei gehe es um das Ankämpfen eines Davids gegen einen Goliath - in diesem Fall die Unternehmerin, die sich gegen (aus ihrer Sicht) zu viele Auflagen, also die Behörden wehrt. Es entstehe das Image einer Einzelkämpferin, die gegen Bürokratie, Politik und schwierig nachvollziehbare Regeln ankämpft, so Schreier.

Die Mehrheit der Menschen findet so etwas gut, weil die Mehrheit der Leute sich im inneren oft selbst wie ein David fühlt, erklärt der Professor. Also würde die Mehrheit Firmen oder Marken tendenziell gut finden, die den Underdog-Effekt bedienen.

Unternehmerin spricht von "Zusperren"

In der "ZiB2" vom Mittwoch schloss Katja Wagner einen Werbecoup aus: "Bekanntheit zahlt keine Gehälter und zahlt auch keine Steuern", sagte sie. Ihr Anwalt und Mehrheitseigentümer des Unternehmens sagte kürzlich zur APA, es stehe der Firma eine "Umstrukturierung" bevor, während die Unternehmerin vom "Zusperren" spricht. Die Behörden würden Arbeitsplätze vernichten, sagt die Firmenchefin.

Mit diesem Facebook-Posting begann alles:

(APA)