Russland: Strabag mit Insolvenzantrag konfrontiert

(c) BilderBox (Erwin Wodicka)
  • Drucken

Streit mit russischer Firma über Bauleistungen. In Wien betrachtet man den Fall als „erledigt“. Nicht abgeschlossen sind dagegen Ermittlungen russischer Behörden im Zusammenhang mit angeblichen Steuerhinterziehungen.

Wien. Seit den 90er-Jahren ist die Strabag in Russland aktiv, doch für den heimischen Baukonzern bleibt das Land ein heißer Markt. Seit Mittwoch ist die Strabag mit einem Insolvenzantrag des russischen Unternehmens K2K konfrontiert. Wie die Tageszeitung „Wedomosti“ berichtet, ging es dabei um Subaufträge beim Bau einer Wohnanlage namens „Akademia Lux“ im Jahre 2008.

Das Unternehmen K2K, ein Spezialist für Baumaschinen und Beton, aus der Stadt Nowyj Urengoj hat sich im Mai 2009 an ein Moskauer Schiedsgericht gewendet, weil laut Anklage offene Rechnungen in Höhe von rund 1,6 Mio. Rubel (rund 350.000 Euro) nicht bezahlt worden seien. Der Rechtsstreit schwelt bis jetzt dahin.

Insolvenzanträge gegen einen Schuldner sind nichts Ungewöhnliches. Nach russischen Gesetzen hat ein Gläubiger das Recht, Insolvenzantrag zu stellen, wenn die Streitsumme größer als 100.000 Rubel ist und wenn der Schuldner mit der Bezahlung mehr als drei Monate in Verzug ist.

Offenbar hatten die Strabag und K2K unterschiedliche Vorstellungen über die Höhe der Bezahlung. Nachdem die Standpunkte vor Gericht geklärt worden waren, lag es an K2K, eine neue Rechnung an die Strabag einzureichen – was das Unternehmen allerdings erst am Donnerstag tat. Diese Summe beziffert Strabag-Sprecher Christian Ebner gegenüber der „Presse“ mit rund 130.000 Euro. Nachdem die Rechnung von K2K eingegangen sei, habe die Strabag diese am selben Tag bezahlt. Ebner: „Das Thema ist damit für uns abgeschlossen.“

„Es geht um Machtkampf“

Nicht abgeschlossen sind dagegen Ermittlungen russischer Behörden im Zusammenhang mit angeblichen Steuerhinterziehungen der Strabag sowie wegen des Einsturzes einer Tiefgarage in Moskau. In ganz Russland seien noch 15 Gerichtsverfahren mit Forderungen von insgesamt 240 Mio. Rubel offen, berichtet „Wedomosti“. Ebner relativiert: „Verfahren gegen Baufirmen sind normal und beruhen in Russland oft auf rechtlichen Missverständnissen. Häufig geht es um einen Machtkampf von Beamten gegen die Wirtschaft, und hier vor allem gegen ausländische Unternehmen.“

Gleichzeitig ermittelt seit dem Sommer 2008 auch in Österreich die Staatsanwaltschaft gegen die Strabag-Partnerfirma Eurocontact wegen der Zahlung von Beratungshonoraren in Osteuropa. Die 1,8Mio. Euro Honorar an Eurocontact rund um die Vergabe eines Autobahnauftrags in Kroatien mit einem Volumen von 387 Mio. Euro bezeichnet Ebner als „völlig normal“, die Ermittlungen seien ein „Ausfluss des österreichischen Wahlkampfes im vergangenen Jahr“. Alle erbrachten Leistungen seien ordnungsgemäß versteuert worden, so Ebner. Es gebe bisher kein einziges Gerichtsurteil, das die Strabag oder die Eurocontact wegen Korruption schuldig gesprochen hätte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.