Sony leidet unter der Wirtschaftskrise und dem starken Yen. Der japanische Elektronikkonzern wird im Geschäftsjahr 2009/10 Verluste machen. Die Branche liefert sich einen beinharten Preiskampf.
Tokio (Bloomberg/ag.). Erst als Sony den Preis für die PlayStation 3 im August deutlich senkte, setzte in den USA ein Run auf die Spielkonsole ein. Aber auch das Faktum, dass sich die PlayStation 3 auf dem US-Markt erstmals besser verkauft als die Konkurrenzprodukte von Nintendo (wii) und Microsoft (Xbox 360 Elite), kann den japanischen Elektronikriesen nicht aus den roten Zahlen ziehen. Sony wird im Geschäftsjahr 2009/10 erstmals seit dem Börsegang 1958 einen Verlust ausweisen. Er wird zwar mit 95 Mrd. Yen nicht ganz so gewaltig ausfallen wie die ursprünglich prognostizieren 120 Mrd. Yen (888 Mio. Euro), aber es bleibt ein gewaltiges Minus.
Sony macht nicht nur die Wirtschaftskrise– die auch die Nachfrage nach Handys sinken lässt – schwer zu schaffen, sondern auch die Aufwertung des Yen in den vergangenen zwölf Monaten. Davon konnten die südkoreanischen Konkurrenten Samsung und LG Electronics profitieren.
Konkurrenz ist optimistischer
Der weltgrößte Speicherchiphersteller Samsung, der auch bei Flachbild-TV-Geräten stark ist, hat den größten Quartalsgewinn seiner Firmengeschichte verbucht. Im dritten Quartal lag der Überschuss bei rund 2,1 Mrd. Euro (3,72 Billionen Won) und damit deutlich über den Markterwartungen. Investor-Relations-Chef Robert Yi glaubt an weiteres Wachstum, da sich die weltweite Konjunkturerholung im kommenden Jahr fortsetzen wird. Trotz höherer Nachfrage nach Elektronikgütern in der Weihnachtszeit könnte es aber durch die Abwertung des Won und hohe Werbekosten zu einem Gewinnrückgang kommen.
Für Optimismus in der Branche sorgen auch die japanischen Samsung-Rivalen Sharp, Sanyo und Panasonic. Letzterer schreibt nach drei Quartalsverlusten in Folge wieder schwarze Zahlen und hat seine Prognose für das Geschäftsjahr um 60 Prozent angehoben. Panasonic, weltweit größter Plasma-TV-Hersteller, profitierte vor allem von soliden Verkaufszahlen von hochwertigen DVD-Rekordern.
Panasonic feilt derzeit an einer milliardenschweren Übernahme seines Rivalen Sanyo und will damit Sony im Kampf um die Weltmarktführung bei Unterhaltungselektronik stärker bedrängen.
Sony hat im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 63,4 Mrd. Yen Verlust geschrieben, nach einem Gewinn von 55,8 Mrd. Yen im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz verringerte sich um 19,5 Prozent auf 3,26 Billionen Yen. „Im ersten und zweiten Quartal gab es einen Aufwärtstrend bei den Erlösen. Doch der kritische Moment ist die Weihnachtssaison – und wir sind nicht allzu optimistisch“, sagte Sony-Finanzvorstand Noboyuki Oneda. Er rechnet damit, dass der Preiskampf bei Videospielen und Fernsehgeräten weitergehen werde.
Die Börse reagierte dennoch positiv – vor allem auf die reduzierte Verlustprognose. Die Sony-Aktie erreichte mit 2830 Yen ein 52-Wochen-Hoch.
AUF EINEN BLICK
■Sony leidet unter der Wirtschaftskrise und dem starken Yen. Der japanische Elektronikkonzern wird im Geschäftsjahr 2009/10 Verluste machen – allerdings weniger, als ursprünglich prognostiziert. Die Konkurrenz (Panasonic, Sanyo, Samsung) schreibt hingegen Gewinne. Die Branche liefert sich einen beinharten Preiskampf.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2009)