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Riskanter Test für Wirtschaftstheorien

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Es war das politische Mantra der Republikaner in den vergangenen acht Jahren: Keine neuen Schulden.

Mit diesem Schlachtruf haben sie konsequent gegen Barack Obama gekämpft und jede Möglichkeit genützt, um seine Milliardenausgaben zur Belebung der US-Wirtschaft zu blockieren. Die USA befänden sich am Rande einer Schuldenkrise wie in Europa, lautete die mahnende Warnung.

Und jetzt kommt Donald Trump – einer der ihren, ein Vertreter jener Partei also, die es sich auf die Fahnen geheftet hat, sparsam mit Steuergeld umzugehen – und setzt plötzlich auf linke Wirtschaftstheorien. Nicht nur, dass er noch mehr Schulden machen will, er droht sogar offen, in die Notenbank einzugreifen, sollte sie seine Wachstumsphantasien durch höhere Zinsen bremsen. Am Wochenende ließ er beim G20-Treffen auch noch ein Bekenntnis zum freien Handel blockieren.

All das könnte der Beginn einer neuen Wirtschaftsordnung sein, an deren Ende Abschottung und Protektionsmus stehen. Dass genau diese Politik nicht funktioniert, haben bereits ähnliche Bestrebungen während der großen Depression der 1930er-Jahre gezeigt. Der Protektionismus einzelner Staaten trieb alle nur noch tiefer in die Krise.

Die USA – oder eher deren Präsident, der ja keine Bücher liest – scheinen nichts aus der Geschichte gelernt zu haben und versuchen jetzt einen neuen Testlauf für längst überholte Wirtschaftstheorie. Nur wissen wir heute schon, was am Ende dabei herauskommt: Die ganze Welt wird darunter leiden.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2017)