Political Correctness ist die Sprache der Verlierer

Wer sich im Leben immer an Vorschriften hält, wird nicht viel erreichen. Political Correctness ist die Sprache der Verlierer. Handballtrainer Gunnar Prokop führt uns dies im Sport immer wieder drastisch vor Augen. Dafür sollten wir ihm dankbar sein.

Ganz ehrlich: Die Verletzungsgefahr war für den 69-jährigen Gunnar Prokop um vieles höher als für die groß gewachsene, durchtrainierte französische Handballspielerin. Der Mann hat sich ihr in den Weg gestellt. So, wie es die Männer fast immer tun, wenn Frauen drohen, erfolgreich zu sein. Oder besser gesagt: Gunnar hat seinen schwachen Weibern gezeigt, dass sie ohne ihn, ohne Mann, einfach nicht bestehen können. Er hätte ja auch daran glauben können, dass die Spielerinnen von Hypo Niederösterreich das 27:27 in dem Champions-League-Spiel gegen Metz aus eigener Kraft über die Runden bringen. Aber das wäre viel zu viel verlangt gewesen von den armen Hascherln. Da musste ein Mann her, um eine Gegnerin aus dem Weg zu räumen. Prokop hatte schließlich ein Spiel zu verlieren. Sonst eigentlich nichts. Nicht sein Ansehen als fairer Sportsmann und seinen Ruf als Gentleman schon gar nicht. „Fairer Sportsmann“ ist doch nur eine höfliche Umschreibung für Verlierer. Und ein „echter Gentleman“? Weichei, womöglich schwul.

Prokop hat der Sportwelt wieder eindrucksvoll bewiesen, dass Erfolg keine Regeln kennt, sondern nur Ergebnisse. Aber er macht es auf so brachiale Art und Weise, dass es fast schon wieder ehrlich – beinahe anständig wirkt. Denn er zählt nicht zu jenen, die groß „Dabei sein ist alles“ predigen und im Verborgenen zu verbotenen Hilfsmitteln greifen. Prokop greift auch vor aller Augen zu verbotenen Hilfsmitteln. Das ist doch ein geradliniger Zugang, oder?

Wer sich über Leute wie Prokop empört, der lebt vermutlich in einer Schein- oder Märchenwelt. Die Welt, in der die Guten und Anständigen gewinnen, die hat es nämlich noch nie gegeben. Und das gilt insbesondere für den Sport. Am Ende gewinnen jene, die das „taktische Foul“ beherrschen. So wie Prokop. Und wer begeht das taktische Foul? Ist es der Unfaire, oder nicht doch der Kluge?

Auf jeden Fall muss man Gunnar Prokop zu seinem Bodycheck gratulieren. Man sollte ihm dafür dankbar sein, dass er gezeigt hat, wie widerlich und absurd es im Sport – und natürlich nicht nur im Sport – mitunter zugeht. Danke, aber wir hätten es ohnehin auch so gewusst.

gerhard.hofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.11.2009)

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