George Grosz: Wenig Glück in Wien

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so smells defeatThe Estate of George Grosz und Galerie Rhomberg
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Die Galerie Rhomberg zeigt bei der Hofburg-Messe Bilder von George Grosz. Dessen Nachlassverwalter erwägt eine neue Rückgabeforderung gegen das Mumok.

Die Gesetzeslage für Restitutionen in Österreich hat sich geändert, unsere Anwälte erwägen, erneut einen Vorstoß zu machen“, erklärt Ralph Jentsch, Nachlassverwalter des 1933 in die USA emigrierten Malers George Grosz der „Presse am Sonntag“. 2006 war die Forderung, Grosz' Stillleben „Andenken – das Bündnis“ aus dem Mumok zu restituieren, vom Restitutionsbeirat abgelehnt worden.

Das Bild kam über eine Kette von Kunsthändlern ins Wiener Museum, an deren Anfang eine unselige Auktion in Amsterdam 1938 stand, bei der die Bilder des bereits geflohenen „Staatsfeindes“ regelrecht verschleudert wurden. Grosz hatte die Werke vor seiner Flucht dem jüdischen Händler Flechtheim in Berlin überlassen, der sie nach seiner Flucht wiederum an eine Amsterdamer Galerie in Kommission übergab. 1938 starb Flechtheim im Exil. Worauf das Werk um ein paar Dollar pro Stück in die Wirren des Kunstmarkts gelangte, ein bedeutendes Selbstporträt etwa landete so im Museum of Modern Art New York.

„Modern Museum stellte ein mir gestohlenes Bild aus (bin machtlos dagegen) sie habens von Jemand gekauft, ders gestohlen“, schrieb der Maler darüber 1953 in einem Brief. Das MoMA denkt, wie das Mumok, bis heute nicht an Rückgabe. Derweil planen die Nachfahren ein eigenes Grosz-Museum in Deutschland oder Italien, von wo zurzeit „das beste Angebot kommt“, so Jentsch, der auch designierter Direktor des Museums ist. In Österreich hatte Grosz „irgendwie nie großes Glück“, erzählt er. „Flechtheim hat zwar mit der Wiener Galerie Würthle zusammengearbeitet, aber es gab keine Verkäufe. Vielleicht ändert sich das ja mit der Ausstellung der Galerie Rhomberg in der Hofburg“, hofft Jentsch.

New Yorker Jahre unterschätzt. Die Innsbrucker Galerie hat ihren Stand bei der Hofburg-Messe ab kommenden Freitag ganz George Grosz (1893–1959) gewidmet. Clemens Rhomberg arbeitet dabei mit dem Nachlass zusammen. In Wien zeigt er drei Ölbilder und Zeichnungen von 1912 bis in die 40er-Jahre, also aus der am Markt begehrteren frühen Berliner Zeit und aus der „immer noch unterschätzten“ amerikanischen Zeit, so Rhomberg. Preislich sind vor allem Zeichnungen „unglaublich günstig“, die Preise beginnen an seinem Wiener Stand bei 5000 Euro. Das teuerste ist das Ölbild „So smells defeat“ von 1937 (siehe Abb.), es kostet 390.000 Euro.

Aber kein Vergleich zu den Preisen für Werke aus der „Berliner Zeit“, als Grosz einer der Stars der Neuen Sachlichkeit war, sicher der schärfste Gesellschaftskritiker. Der Höchstpreis für ein Gemälde dieser Zeit vor 1933 liegt in Auktionen bei 1,5 Millionen Euro, so Rhomberg. „Auf dem privaten Markt wird aber noch viel mehr gezahlt.“

Das weniger bekannte US-Werk harrt jedenfalls der Wiederentdeckung, gerade erst kam ein neuer Band darüber heraus, der zeigt, dass Grosz damals nicht nur harmlose Akte und Landschaften malte, wie ihm vorgeworfen wurde. George Grosz galt in den USA damals zwar als Prominenter, Erfolg hatte er aber weniger, er musste unterrichten. Einer seiner Privatschüler war übrigens der damals schon bekannte Jackson Pollock – „er wollte sich eben den seiner Meinung nach besten Lehrer leisten“, so Jentsch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.11.2009)

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