Warum sich Anleger auf Seitwärtsschaukelbörsen einrichten müssen und die Erste Bank ein passables Langfristinvestment ist.
Was war denn das vergangene Woche? Ein (vor allem in Wien) ziemlich brutaler Börseabsturz, unmittelbar gefolgt von einem Kursanstieg: Das sieht nicht gut aus. Offenbar fällt die erwartete Korrektur jetzt nicht so stark aus, wie viele Marktbeobachter gefürchtet haben. Aber in welche Richtung die Reise in den kommenden Monaten geht, scheint niemand so recht zu wissen.
Wer jetzt auf den Aktienmarkt geht, sollte in der Lage sein, eigenständige Entscheidungen zu treffen, mit technischen Indikatoren umzugehen – und im Notfall schnelle Entscheidungen zu treffen. Andernfalls sind Gewinne in „Schaukelbörsen“ so schnell wieder weg, wie sie gekommen sind.
Harte Fakten sind entscheidend. Und auf „Schaukelbörsen“ müssen wir uns in den kommenden Jahren wohl einstellen. Der Boom der vergangenen Monate war ja nichts anderes als eine Gegenreaktion auf einen viel zu tiefen Fall der Kurse. Jetzt kommen wieder „harte“ Fakten wie etwa die konjunkturelle Entwicklung ins Spiel. Und die wird derzeit ein bisschen zu sehr schöngeredet.
Nehmen wir beispielsweise das am vergangenen Donnerstag ausgerufene „Ende der Rezession“ in den USA, das die Börsenkurse zu einem Freudensprung nach oben veranlasst hat: Alle ernsthaften Ökonomen wissen, dass das eine von staatlichen Investitionsprogrammen ausgelöste Sonderkonjunktur ist. Die Nagelprobe kommt 2010 und 2011, wenn die staatlichen Programme auslaufen. Erst dann wird man sehen, ob Keynesianismus funktioniert und ob aus dem staatlichen „Schubs“ eine nachhaltige Eigenbewegung der Wirtschaft wird. Bis sich das herauskristallisiert, werden die Börsen ihre seitwärtsgerichtete Pendelbewegung wohl fortsetzen.
Wer in dieser Situation zu ordentlichen Renditen kommen will, muss intensiv Stockpicking betreiben und versuchen, mit Hilfe technischer Instrumente diese Wellen „auszureiten“, aber rechtzeitig vor dem Absturz wieder vom Pferd zu springen.
Aixtron als Kurzfristspekulation. In dieser Woche könnte sich dafür der vor Kurzem in der „Presse am Sonntag“ empfohlene deutsche Tecdax-WertAixtron(ISIN DE000A0WMPJ6) eignen. Der Kurs des Spezialmaschinenbauers ist nach einer (erfolgreichen) Kapitalerhöhung in der vergangenen Woche zwar abgestürzt, hat aber wieder beeindruckend gedreht – und bietet zu Wochenbeginn sogar einen besseren Einstiegskurs als zum Zeitpunkt der ursprünglichen Empfehlung. Der Wert hat mit seinem eindrucksvollen Sprung über die 20-Euro-Marke am Freitag ein starkes kurzfristiges Kaufsignal im MACD generiert. Allerdings: Charttechnisch steht knapp unter 25Euro ein relativ starkes Hindernis.
Vorläufig ist Aixtron eine wahrscheinlich sehr ertragreiche Kurzfristspekulation, die man wegen der „Abprallgefahr“ bei 25 Euro in den nächsten Tagen jedenfalls im Auge behalten sollte. Das Papier hat am Freitag zwei Hochstufungen kassiert (auf „Buy“ von UniCredit und auf „Outperform“ von BNP).
Kapitalerhöhung bei Erste Bank. Für ATX-Investoren stellt sich jetzt wohl die Frage, ob sie bei der Kapitalerhöhung der Erste Group (ISIN AT0000652011) zuschlagen sollen. Nun: Die „Erste“ ist schwerpunktmäßig in einer Region tätig, die nach der Krise wohl wieder enormes Wachtumspotenzial aufweisen wird, derzeit aber nicht zu den gewinnträchtigsten Gebieten zählt. Im Gegenteil: Die Kreditkrise dürfte in Osteuropa erst 2010 ihren Höhepunkt erreichen.
Wer sich für den nächsten „Aufschwung-Ost“ positionieren möchte, wird um Aktien der Big Player in der Region – und dazu gehört die Erste ganz ohne Zweifel – nicht herumkommen. Angesichts der anhaltend fragilen Börsenlage ist es aber nicht ausgeschlossen, dass die Papiere „unterwegs“ zum nächsten Ost-Boom noch deutlich billiger zu haben sein werden. Die Analysten sind sich jedenfalls uneinig: In der Vorwoche hat die Erste zeitgleich eine deftige Kurszielanhebung durch die Deutsche Bank (von 17 auf 30 Euro) wie auch eine Zurückstufung (von 27 auf 24 Euro durch Keefe, Bruyette & Woods) ausgefasst.
Bei einem Ausgabepreis der jungen Aktien von bis zu 32 Euro ist da wenig Luft für Kurzfristspekulation. Langfristig ist das Papier unter Einhaltung der üblichen Vorsichtsmaßnahmen (striktes Stopp Loss Limit) aber sicher interessant.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.11.2009)