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Endspiel für den roten Stern

(c) REUTERS
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KolumneUngarn schikaniert mit „Lex Heineken“ die niederländische Brauerei.

Viktor Orban ist auf die Heineken-Brauerei schon länger nicht gut zu sprechen. Erst unlängst hat er sich für einen Boykott des – auch in Ungarn – sehr beliebten Bieres stark gemacht. Ursprung der Animositäten ist ein Namenrechtsstreit, den eine kleine Brauerei in Rumänien gegen Heineken auszutragen hatte. Die Brauerei, die einem ungarnstämmigen Unternehmer gehört, verlor den Prozess. Sie darf eines ihrer Biere nun nicht mehr Csiki Sör nennen.

Nicht nur die Brauerei, sondern auch die ungarische Regierung war über diese Entscheidung höchst verärgert. Schließlich versteht sich Orban als Schutzherr der ungarischen Minderheit in Rumänien.

Nun ist dem Ministerpräsident Ungarns offenbar etwas eingefallen, wie er sich an dem internationalen Konzern rächen kann. Wie seine Regierung nun verlauten ließ, plant sie die Verabschiedung eines Gesetzes, das die Verwendung von nationalsozialistischen und kommunistischen Symbolen unter Strafe stellen soll. Wer sie dennoch verwendet, muss bis zu zwei Milliarden Forint (6,5 Mio. Euro) berappen. Es sei eine „moralische Verpflichtung“, die kommerzielle Nutzung von Hakenkreuz, Hammer und Sichel oder rotem Stern zu untersagen, zumal der Stern von Heineken „offensichtlich politische Bedeutung habe“, sagte Ungarns Vize-Premierminister Zsolt Semjen. Tritt die „Lex Heineken“ in Kraft, muss sich die niederländische Brauerei schleunigst etwas überlegen, strahlt doch ihr roter Stern von jeder ihrer Bierflaschen.

Doch nicht nur Heineken ist betroffen, auch der Mineralwasserproduzent Sanpellegrino, der zu dem Nestlé Konzern gehört, verwendet einen roten Stern als Logo. Ob die beiden Unternehmen schon an einem neuen Logo für den ungarischen Markt basteln? Wir wissen es nicht. Beide lehnten eine Stellungnahme ab.

E-Mails an: judith.hecht@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2017)