Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Opel-Deal: Deripaskas ominöser Besuch

Deripaska
(c) EPA (DMITRY ASTAKHOV / POOL)
  • Drucken

Der russische Magnat Oleg Deripaska bereiste die USA heuer zweimal – trotz eines bestehenden Einreiseverbots. Dabei traf er den Chef der Opel-Mutter GM. Das FBI erteilte ihm eine Ausnahmegenehmigung.

New York. Das Foto ist unscharf und auf den ersten Blick unspektakulär. Es zeigt vier lächelnde Männer im Anzug. Im Hintergrund sind Fenster und eine weiße Wand zu erkennen. Und doch ist das Bild Auslöser für einen Wirtschaftskrimi, in dem der russische Tycoon Oleg Deripaska, die US-Ermittlungsbehörde FBI sowie die Opel-Mutter General Motors (GM) die Hauptrollen spielen.

Das Foto wurde bereits im August im US-Bundesstaat Michigan geschossen und zeigt unter anderem Deripaska sowie den Chef des US-Autobauers GM, Fritz Henderson. Wohl aus gutem Grund ist das Bild bislang nicht aufgetaucht. Denn Deripaska wurde 2007 von den US-Behörden die Aufenthaltsgenehmigung entzogen. Die offizielle Begründung: Verbindungen zum organisierten Verbrechen.

 

Wollte GM Opel behalten?

Trotzdem erteilte das FBI dem Oligarchen eine Sondergenehmigung für die Einreise in die USA. Die Ermittlungsbehörde bestätigte am Wochenende entsprechende Medienberichte. Konkret war Deripaska heuer zweimal in den Vereinigten Staaten, nämlich im August sowie Anfang Oktober. Die US-Behörden und der Russe hielten das bis zuletzt geheim. Erst das von einem russischen Journalisten geschossene und an die US-Medien weitergeleitete Bild enthüllte die Besuche.

Die beiden anderen Personen auf dem Foto sind der Österreicher Siegfried Wolf, Chef des austrokanadischen Autozulieferers Magna, sowie German Gref von der russischen Sberbank. Mittlerweile hat sich GM mit den genannten Firmen auf einen Verkauf der maroden Tochter Opel geeinigt. Magna und Sberbank sollen jeweils 27,5 Prozent übernehmen. Die deutsche Regierung unterstützt den Deal durch Staatsgarantien und Zuschüsse in Höhe von 4,5 Mrd. Euro. Das Treffen der Wirtschaftsleute fand just zu jenem Zeitpunkt statt, an dem GM ernsthaft überlegte, den geplanten Verkauf platzen zu lassen.

Einer der Hauptgründe war die Sorge der Amerikaner, dass durch die russische Beteiligung zu viel Know-how an den Konkurrenten GAZ abfließen könnte. Der Autohersteller zählt zum Imperium Deripaskas und ist eng mit der Sberbank verflochten. Russlands Premier Wladimir Putin machte kein Geheimnis daraus, dass er einen Verkauf Opels an die Sberbank gutheißen würde. Deripaska wiederum steht Putin sehr nahe und begleitet den mächtigen Russen immer wieder auf Reisen. Putin intervenierte bereits mehrmals in Washington, um eine Aufhebung von Deripaskas Einreiseverbot zu bewirken – bislang ohne Erfolg.

Deripaska bestreitet jegliche Verbindung zum organisierten Verbrechen. Er vermutet hinter den Sanktionen wirtschaftliche Gründe. US-Konkurrenten und Politiker wollten verhindern, dass der Mogul seinen Aluminiumkonzern Rusal an die US-Börsen bringe. Das Außenministerium hätten ihn mit dem Einreiseverbot bedacht, um mögliche Investoren abzuschrecken.

 

„Wichtige Info“ preisgegeben

Die Affäre könnte sich nun zum Politikum ausweiten, in dem die Geheimdienste eine gehörige Rolle spielen. Das FBI gab zu Protokoll, den Oligarchen ins Land gelassen zu haben, weil Deripaska im Austausch „wichtige Informationen“ herausgerückt habe.

Deripaskas Vermögen wurde einst auf 25 Mrd. Euro geschätzt. Im Zuge der Wirtschaftskrise ging viel davon verloren, unter anderem musste sich der Russe von dem Anteil am österreichischen Baukonzern Strabag trennen. Sein Imperium ist zum großen Teil auf Schulden aufgebaut. Ein Börsengang in den USA würde dringend nötiges Kapital in die leeren Kassen des Oligarchen spülen.

Im Rahmen seiner Besuche ist der 41-Jährige auch mit Lloyd Blankfein, dem Chef des Investmenthauses Goldman Sachs, zusammengetroffen, um über eine mögliche Aktienemission von Rusal zu sprechen. Deripaska bestreitet, mit dem FBI kooperiert zu haben, um seine Einreise zu ermöglichen. Er würde wichtige Informationen seines Heimatlandes niemals preisgeben, erklärte der Mogul. Ebenso bestreitet Deripaska, in irgendeiner Form Druck auf General Motors ausgeübt zu haben, damit der Verkauf von Opel planmäßig über die Bühne gehe.

Momentan untersucht die EU-Kommission, ob die Staatshilfe Deutschlands an das Konsortium rund um Magna und Sberbank wettbewerbswidrig ist. Eine Entscheidung könnte Ende November fallen. Beobachter vermuten, dass GM Opel doch noch behalten könnte, sollte die EU dem Verkauf Auflagen erteilen. Noch diese Woche trifft der Aufsichtsrat des US-Autobauers zusammen, um darüber zu diskutieren. Teil der Gespräche sollen auch Änderungen in dem Konzept von Magna und Sberbank sein, die seit September vorgenommen wurden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2009)