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Alter Traum vom Jungbrunnen wird wieder jung

Themenbild: Meryl Streep und Bruce Willis in "Der Tod steht ihr gut"
Themenbild: Meryl Streep und Bruce Willis in "Der Tod steht ihr gut"Imago
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Gleich zwei Vorstöße zum Einbremsen bzw. Umkehren des Alterns melden – an Mäusen – Erfolge: Der eine stärkt die Reparatur von Zellen, der andere schafft überalterte Zellen aus dem Weg.

Auf dem Weg zum Mars drohen nicht nur Kopfgeburten von Science-Fiction-Autoren, sondern auch handfeste Gefahren, vor allem durch kosmische Strahlung, die aus hochenergetischen Teilchen besteht, vor denen wir auf der Erde geschützt sind. Im All gibt es keinen Schutz, das Bombardement würde DNA zerstören: Tumore bringen, rascheres Altern, Demenz inklusive. Das macht der Nasa solche Sorgen, dass sie einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben hat, in dem es um „Technology Needs for Journey to Mars“ ging.

Gewonnen hat David Sinclair von Center for the Biology of Ageing der Harvard Medical School, nun stellt er seine Idee in Science vor (355, S. 1312): Sie zielt auf das Reparieren von Zellen ab, deren DNA geschädigt ist, etwa durch Strahlung oder auch durch Altern, in dessen Zuge werden die Reparaturmechanismen schwächer. Könnte man sie wieder stärken? Hoffnungen richten sich lang schon auf Sirtuin-Proteine – sie kommen in sieben Varianten –, gentechnisch mit Zusatzkopien ausgestattete Mäuse leben länger.

Aber Menschen kann man keine Gene einbauen, man brauchte Medikamente. Ein von manchen verfochtenes ist Rotwein bzw. sein Inhaltsstoff Resveratrol, er kann eines der sieben Sirtuine aktivieren. Und ein körpereigenes Molekül – das Koenzym NAD – kann es gleich bei allen sieben. Das hat Sinclair an Mäusen bemerkt, denen er einen Vorläufer von NAD verabreicht hat: „Nach nur einer Woche waren die Zellen von alten Mäusen von jenen von jungen nicht unterscheidbar“, resümiert der Forscher, der in sechs Monaten in klinische Tests an Menschen gehen will.

Das klingt ein wenig nach dem Jungbrunnen, dessen prominenteste Variante den Konquistadoren Juan Ponce de León 1512 ein halbes Jahr auf Florida herumirren ließ, weil Indianer ihm den Floh einer Wunderquelle ins Ohr gesetzt hatten. Er fand sie nicht, niemand fand sie: Man hat sie allerorten gesucht, etwa im Fasten oder im High-tech-Zellverjüngen oder im Rapamycin, einem Bakterienprodukt, das für Menschen zu gefährlich ist. Bei Mäusen hat es gewirkt, und bei Mäusen wirkt auch ein ganz neuer Vorstoß: Wenn Zellen altern, dann gehen sie entweder in den Tod (Apoptose) oder in die Seneszenz, sie teilen sich nicht mehr.

Und sie stehen im Verdacht, damit das Altern zu fördern. Deshalb hat Peter de Keizer (Amsterdam) dafür gesorgt, dass auch seneszente Zellen in Apoptose gehen: Das brachte alten Mäusen, die schon ihr Fell verloren, nach zehn Tagen ein neues, nach einem Monat waren auch ihre Nieren wieder jung (Cell, 23. 3.). Aber bei Mäusen geht viel, und schon der Chronist, der über Ponce de León berichtete, mahnte zur Vorsicht: „Es war schon ein großer Streich, den sich die Indios erlaubten, als sie die Geschichte erzählten. Aber noch größer war die Narrheit der Christen, daran zu glauben und Zeit damit zu verschwenden, die Quelle zu suchen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2017)