Hahn-Nachfolge: Schwarze spielen auf Zeit

Nachfolge von Johannes Hahn: Schwarze spielen auf Zeit
Nachfolge von Johannes Hahn: Schwarze spielen auf Zeit(c) Reuters (Herwig Prammer)
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Der designierte EU-Kommissar Johannes Hahn will die Nachfolge-Entscheidung in der Wiener ÖVP "schnell herbeiführen". Er habe aber keine Eile. Maier und Himmer haben die besten Chancen auf Hahns VP-Thron.

Der angehende EU-Kommissar Johannes Hahn (ÖVP) hat bezüglich seiner Nachfolge an der Spitze der Wiener Volkspartei seine "Überlegungen", will sich allerdings nicht öffentlich dazu äußern. Beim Parteivorstand heute, Montagabend, wird es laut Hahn noch keine Entscheidungen geben, "wir werden einmal den Prozess aufsetzen, wie wir den künftigen Obmann oder Obfrau finden", sagte Hahn am Montag. Übergeben will Hahn die Obmannschaft mit seinem Wechsel nach Brüssel.

"Keine Notwendigkeit, das übereilt zu tun"

Es sei nicht einmal eine Woche her, dass er von der Regierung als österreichischer EU-Kommissar nominiert worden sei. Die Nachfolgeentscheidung will Hahn "sehr schnell herbeiführen", er geht aber davon aus, dass das nicht schon heute erfolgen werde, "weil keine Notwendigkeit besteht, das übereilt zu tun". Ihm gehe es darum, dass die erfolgreiche Arbeit, die er in Wien seit Jahren gemacht habe, fortgeführt werde. "Dafür gibt es einige sehr gut geeignete Kandidaten, entgegen anderslautenden Gerüchten, Gott sei Dank auch mehrere, die für das Amt Interesse haben".

Hahn furchtlos falls Gusenbauer aufsteigt
Zum Zeitpunkt der Übergabe angesprochen, sagte Hahn: "Sollte ich tatsächlich das Amt antreten, wird dieses Thema erledigt sein". Dass Hahn möglicherweise zwischen allen Sesseln landen könnte, sollte Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) zum Hohen EU-Beauftragten für die EU-Außenpolitik bestellt werden, macht ihm offensichtlich keine Sorgen: "Ich bin der Kandidat der Bundesregierung, mehr ist dazu nicht zu sagen." Ursprünglich hatte Hahn erklärt, auch als EU-Kommissar Wiener VP-Chef bleiben zu wollen - bis Signale von Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso kamen, dass dies unvereinbar sei.

Wiener ÖVP-Obmänner seit 1964 im Überblick
Wiener ÖVP-Obmänner seit 1964 im Überblick(c) APA

VP-Wien-Duell Harry gegen Ferry

Unterdessen verdichten sich vor der Vorstandssitzung am Abend die Anzeichen, dass derzeit vor allem zwei Männer um den Spitzenposten der Landespartei ringen. Demnach soll Bundesrat Harry Himmer, Österreich-Generaldirektor des Telekommunikationsausrüsters Alcatel-Lucent, sein Interesse sowohl an der Funktion als Landesparteiobmann und Spitzenkandidat für die 2010 anstehende Wien-Wahl als auch am Posten des Wissenschaftsministers angemeldet haben.

Raiffeisen-Generalsekretär Ferry Maier hat dem Vernehmen nach ebenfalls starkes Interesse an dem Wiener Führungsposten - allerdings wohl nicht an der Funktion des Spitzenkandidaten. Unterstützung erhielt er darin bereits vom wichtigen Döblinger Bezirkschef Adi Tiller, der via "Kurier" (Montagsausgabe) verkünden ließ: "Ferry Maier ist die Nummer 1". Während hinter Maier der Wirtschaftsbund steht, macht sich für Himmer der Arbeitnehmerflügel ÖAAB stark.

Spitzenkandidatin Stenzel?

Sollte die Funktion des Landesparteichefs und des Spitzenkandidaten tatsächlich getrennt werden, wird in der Partei auch die schillernde Bezirkschefin der Inneren Stadt, Ursula Stenzel, als aussichtsreiche Kandidatin gehandelt. Als erfahrene Wahlkämpferin könnte Stenzel in den Kampf gegen Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ziehen.

Vorerst ruhiger ist es hingegen um andere, in den vergangenen Tagen ebenfalls genannten Kandidatinnen geworden. Familienstaatssekretärin Christine Marek hat wiederholt ihr Desinteresse bekundet, und Volksanwältin Gertrude Brinek hatte ebenso abgewunken.

(APA)

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