Europa

NGO-Debatte: Das Dilemma der Flüchtlingshelfer im Mittelmeer

Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer
Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer(c) REUTERS (ANTONIO PARRINELLO)

Sebastian Kurz beklagt wie die EU-Grenzschutzorganisation Frontex, dass NGOs den Schleppern in die Hände spielen. Die Hilfsorganisationen fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen.

Um 22 Uhr trifft der Anruf der italienischen Küstenwache beim Team von „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) ein. Die Koordinationsstelle der „Guardia Costiera“ in Rom bittet um „sofortigen“, Einsatz des MSF-Schiffs „Aquarius“. Auf hoher See, einige Seemeilen von der libyschen Küste entfernt, seien von einem Schlauchboot aus Notsignale gesendet worden. Die italienischen Behörden geben eiligst die Koordinaten durch, ein Schiff der Guardia Costiera steht nicht zur Verfügung. Als das von MSF-Koordinator Edward Taylor geleitete Team am Unglücksort eintrifft, bietet sich ein Bild des Schreckens: Nicht ein Boot, sondern sechs wackelige Barken schwimmen in den unruhigen Gewässern – instabile Gefährte, vollgepackt mit Menschen. Rauch steigt aus einem der Boote empor, der Gestank verpestet die stockfinstere Nacht, die Luft riecht nach Kerosin und verbranntem Plastik.