Ex-Skiprofis sammeln Geld in der Crowd

Rainer Schönfelder und Hermann Maier, 2005
Rainer Schönfelder und Hermann Maier, 2005(c) GEPA pictures / Helmut Fohringer

Rainer Schönfelder und Hermann Maier wollen ihr viertes Hotel per Crowdfunding finanzieren.

Wien. Ex-Skirennfahrer Rainer Schönfelder stellt Österreichs Alpintourismus kein gutes Zeugnis aus. „Im Tourismus ist viel schief gegangen in den letzten Jahren. Viele Regionen haben das Problem, dass sie die Gäste im Vier- und Fünf-Stern-Bereich einkaserniert haben“, sagt er. Seine Antwort: leistbare Betten bauen, ohne viel Schnickschnack, damit der Gast die Dienstleistungen vor Ort nutzt. Sein Vorbild war die deutsche Budget-Design-Kette Motel One, die in Europas Städten seit der Jahrtausendwende erfolgreich ist. Anfang 2016 startete er gemeinsam mit Skikollegen Hermann Maier das erste Adeo-Alpin-Hotel in St. Johann in Tirol.

Für das vierte Haus im Kärntner Bad Kleinkirchheim sammeln die zwei bekannten Investoren nun erstmals Geld von der Crowd ein. Start der Kampagne auf der neu gegründeten Plattform we4tourism und der Crowdfunding-Seite Conda war vor knapp zwei Wochen. Die Namen der Hoteliers zogen: Innerhalb eines Tages sammelten sie mehr als 100.000 Euro ein. Dem Ziel von 500.000 Euro ist man mittlerweile nahe. Geldgeber können die Nachrangdarlehen ab 100 Euro zeichnen, der Basiszinssatz für die Risikokapitalgeber beginnt bei 4,5 Prozent. Die restlichen 8,5 Mio. Euro Baukosten decken laut Schönfelder die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT), die auch federführend hinter der neuen Crowdfunding-Plattform für den Tourismus steht, das Land Kärnten, klassische Bankkredite und die Skiprofis selbst mit ihrem Ersparten ab.

 

Kein billiges Skifahren

„Skifahren war nie billig“, sagt Schönfelder. Das sei ein Mythos. Das alpine Low-Budget-Hotel soll dennoch vor allem Familien motivieren, mit ihren Kindern noch Skiurlaub zu machen. Bis zum achten Lebensjahr habe man Zeit, die Jungen auf die Ski zu bringen – „sonst sind sie weg“.

Er sieht seine Häuser nicht als Konkurrenz, sondern als Ersatz der schwindenden Frühstückspensionen. Erhebungen der ÖHT würden den Sinn seiner Kette belegen, die dem Gast nur Bett, Halbpension, Sauna und Skikeller bietet. Der Vorstand der Bergbahnen Bad Kleinkirchheim, Hansjörg Pflauder, hofft, dass mit der Eröffnung des Adeo-Alpin-Hotels mit seinen knapp 100 Zimmern 2018 das Gleichgewicht unter den Sterne-Kategorien in seiner Region etwas zurechtgerückt wird. „In den letzten zehn Jahren haben wir bei den Pensionen und Drei-Stern-Hotels 2000 warme Betten verloren“, sagt Pflauder. Heute gebe es in Bad Kleinkirchheim und dem Nachbarort Feld am See noch knapp 6000 Betten in dieser Kategorie. Schönfelder sieht Platz für zehn bis 15 Adeo-Häuser verteilt über ganz Österreich, mehr noch im angrenzenden Alpenraum. Man habe Angebote von Bürgermeistern, Skigebieten, Tourismusvereinen, „die drauf kommen, dass sie so was von uns brauchen“.

In der Tourismusbranche sind Maier und Schönfelder mit ihrer Schwarmfinanzierung ziemlich früh dabei. Nur die Gasteiner Bergbahnen haben sich vor ihnen an das Thema gewagt und vergangenes Jahr für den Bau einer 85 Mio. Euro teuren Liftanlage auf eigene Faust 1,5 Mio. Euro bei den Bewohnern der Region eingesammelt.