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Türken sind die Sorgenkinder am Arbeitsmarkt

(c) Clemens Fabry
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Kaum eine andere ausländische Bevölkerungsgruppe ist in Österreich so schlecht integriert wie die Türken. Dies zeigt eine Wifo-Studie. Die Arbeitslosenquote bei ihnen ist wesentlich höher als bei anderen Migranten.

Wien. Unter den in Österreich lebenden Migranten sind Türken, „die am schlechtesten in den Arbeitsmarkt integrierte Gruppe“. Das sagt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), das am Dienstag eine Studie über „Österreich als Zuwanderungsland“ veröffentlicht hat. Die Beschäftigungsquote bei den Türken ist um 21,2 Prozentpunkte niedriger als bei Österreichern. Nicht wenige Türken sind arbeitslos. Bei ihnen ist die Arbeitslosenquote um 14,6 Prozentpunkte höher als bei Inländern. Im Gegensatz dazu konnten sich Migranten aus Ex-Jugoslawien und aus Osteuropa besser integrieren. Doch auch bei ihnen ist die Arbeitslosenquote höher als bei Österreichern. Bei Menschen aus Ex-Jugoslawien gibt es eine um sechs Prozentpunkte höhere Arbeitslosenquote als bei Inländern.

Die Wifo-Experten haben sich in ihrer Studie in erster Linie mit jenen Migranten beschäftigt, die schon länger in Österreich leben. Auf die zahlreichen Flüchtlinge und Asylwerber, die seit 2015 aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern nach Österreich gekommen sind, geht die Studie nicht ein. Denn viele dieser Flüchtlinge sind noch gar nicht am Arbeitsmarkt angekommen.

Die schlechte Integration von Menschen mit türkischen Wurzeln hängt mit der Bildung zusammen. Laut Wifo-Studie haben die in der Türkei geborenen und in Österreich lebenden Migranten zu 65,8 Prozent nur eine Pflichtschulausbildung. Im Vergleich dazu weisen die aus Osteuropa und aus dem ehemaligen Jugoslawien stammenden Migranten in ihrer Mehrheit eine mittlere Qualifikation auf.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass viele der aus den neuen osteuropäischen EU-Ländern stammenden Zuwanderer unterqualifiziert beschäftigt sind. Denn ihre Qualifikationen werden nicht immer anerkannt.

Viele Schulabbrecher

Eine spezielle Problemgruppe unter allen Migranten sind Menschen, die im Alter zwischen 15 und 24 Jahren nach Österreich zuwanderten. Bei ihnen ist die Erwerbsbeteiligung am geringsten. Nicht wenige dieser Jugendlichen haben die Schule abgebrochen, was sich negativ auf die anschließende Arbeitsmarktintegration auswirkt. Im Vergleich zu anderen Ländern gibt es in Österreich mehr jugendliche Zuwanderer, die als sogenannte NEETs einzustufen sind. Darunter versteht man Jugendliche, die keine Schule besuchen, keiner Arbeit nachgehen und sich nicht in einer beruflichen Ausbildung befinden.

Laut Wifo-Studie ist in Österreich der Anteil derer, die früh die Schule verlassen, unter den im Ausland geborenen Jugendlichen um 11,5 Prozentpunkte höher als unter den im Inland geborenen Personen. Unter den Angehörigen der zweiten Generation (im Inland Geborene, deren beide Elternteile im Ausland geboren wurden) liegt dieser Unterschied bei 10,4 Prozentpunkten.

Das Wifo bezieht sich in seiner Studie auf frühere Zahlen der Statistik Austria. Wie schlecht Türken integriert sind, zeigen auch die jüngsten Zahlen des Arbeitsmarktservice. Demnach lag im Vorjahr die Arbeitslosenquote bei Türken bei 19,9 Prozent. (höll)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2017)