Fette-Fische-Bazar: Keine Fische, aber frische Ideen

(C) Stefan Csaky
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Die Unternehmensberaterin Ursula Boehle schafft die Gelegenheit, neue Produkte zu finden. Und innovative Unternehmer zu treffen.

Entdeckergeist – und viel Zeit in Hotelzimmern: Daraus ist irgendwie der Fette-Fische-Bazar entstanden, der an diesem Wochenende erstmals in Wien stattfindet. „Ich bin eigentlich Unternehmensberaterin und daher viel unterwegs“, erzählt Initatorin Ursula Boehle. „Weil ich aber keine große Fernseherin bin, sondern immer Neues entdecken will, hat es sich ergeben, dass ich viel auf Crowdfundingplattformen surfe.“ Sie surft, stöbert und finanziert auch Projekte.

Eines denkt sich die 50-jährige Wienerin aber immer wieder: Sie würde gern auch die Menschen hinter den innovativen Ideen treffen und mit ihnen reden. Warum machen sie das? Wie sind sie darauf gekommen? „Das kann man in diesem Setting nicht.“

Diese Gelegenheit will Boehle ab morgen schaffen: Zwei Tage lang werden gut 30 innovative Unternehmen – die meisten von ihnen aus Österreich – im Semperdepot in Wien zeigen, was sie sich ausgedacht haben. Das geht quer über alle Branchen: von Technik und Telekommunikation über Sport und Mode bis zu Design und Essen.

Da ist etwa der Algendrink Helga, den drei junge Niederösterreicherinnen erfunden haben. Playbrush, ein Zahnbürstenaufsatz mit App, mit dem Kinder beim Zähneputzen Zahnmonster bekämpfen und die Zahnfee retten. Der Oho-Clip, der körperlich eingeschränkten Menschen hilft, den Reißverschluss leichter zu- und aufzumachen. Oder Herbert, ein beleuchteter hängender Garten, mit dem man das ganze Jahr über in der Wohnung Gemüse und Kräuter pflanzen kann.

„Keinen zweiten Feschmarkt“

Was sie alle gemeinsam haben? „Sie müssen innovativ sein“, sagt Boehle. Eine Reihe von Ausstellern habe sie für ihren Basar letztlich nicht genommen, weil genau das fehlte. Wenn sie sich nicht sicher war, bat sie Unternehmer, ihr in 60 Sekunden zu erklären, was das Innovative an ihrem Produkt ist. „Manchmal sind wir in einem solchen Telefonat auch beide zum selben Schluss gekommen“, sagt sie: „Das ist ein tolles Produkt – es passt aber nicht auf einen Innovationsmarkt.“

Sie wolle nicht andere Märkte kopieren, sagt Boehle. „Der Feschmarkt, der Edelstoff: Das sind ganz tolle Plattformen, die haben halt diesen Innovationscharakter nicht. Aber ich bin der Meinung, dass die Welt keinen zweiten Feschmarkt, keinen zweiten Edelstoff braucht.“

Sofort überzeugt war sie beispielsweise von Payuca, einer App, die Wienern bei der Parkplatzsuche hilft, indem sie für 1,80 Euro pro Stunde freie Garagenplätze vermittelt. „Eine bestehende Ressource optimaler zu nützen und weniger Autos auf der Straße zu haben: Das hat mir gut gefallen.“ Eine Berlinerin hat sie mit einer ganz anderen Idee begeistert: Zvnder stellt aus Zunderschwamm – einem Baumpilz – Geldtaschen und Kappen her. „Das ist das Wiedererwecken eines traditionellen, natürlichen Materials – aus dem dann Designobjekte gefertigt werden.“

Auf der Suche nach Neuem

Fische gibt es am Wochenende keine. Man kann sich beim Fette-Fische-Bazar allerdings allerhand Schönes angeln – von daher in etwa der Name. Produkte, die noch nicht im Regal stehen, kann man kaufen. Man kann sie auch nur anschauen. Die Ideen unterstützen. Und mit den Erfindern reden. Auf Letzteres freut sich Ursula Boehle selbst ganz besonders. „Man kann mich neugierig nennen, ich bin jedenfalls immer auf der Suche nach etwas, was ich noch nicht kenne.“ Am Wochenende sei sie neugierig darauf, viele der Menschen, die hinter den verschiedenen Produkten stehen, persönlich zu treffen.

Zur Person

Ursula Boehle (50) ist Unternehmensberaterin. Aus dem Surfen auf Crowdfunding- plattformen entwickelte sie die Idee, einen Markt für Innovationen zu veranstalten, auf dem die Besucher sowohl Produkte als auch die Menschen dahinter sehen und treffen.

Der Fette-Fische-Bazar findet erstmals an diesem Wochenende statt. 1. April, 12–22 Uhr, 2. April, 10–18 Uhr. Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste (Semperdepot, Lehargasse 6, 1060 Wien). Ein Tagesticket für den Markt kostet elf Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2017)

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