Barack Obama und die Missgünstigen

Der US-Präsident hatte ein passables Jahr seit seiner Wahl. Ohne grobe Fehler.

Mit einem oberschlauen Vorwurf war Barack Obama schon konfrontiert, bevor er überhaupt als US-Präsident angelobt war: Er habe derart hohe Erwartungen geweckt, dass er sie nie und nimmer erfüllen könne. Natürlich hat sich diese zugleich banale wie missgünstige Form der Kritik bis zum ersten Jahrestag verdichtet. So what? Nur wenn sich Barack Obama gar keine Ziele gesteckt hätte, wäre niemand von ihm enttäuscht. Aber dann wäre auch seine Präsidentschaft sinnlos.

Obama kann zufrieden sein mit seinen ersten Monaten an der Macht. Sein größtes Plus: Er hat in der Rezession auf die richtigen Knöpfe gedrückt, die Konjunktur springt wieder an. Der Preis dafür ist eine Rekordverschuldung, die nicht nur der nächsten Generation, sondern schon Obama selbst bei der nächsten Wahl auf den Kopf fallen könnte. Innenpolitisch hat er immerhin die Gesundheitsreform in die Gänge, wenn auch nicht über die Bühne gebracht. Außenpolitisch hat er einen Stimmungswandel herbeigeführt. Dafür wurde er gelobt und mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Wirklich gedankt hat es ihm aber bisher niemand, weder die Europäer noch die Israelis noch die Iraner oder die Afghanen. Obama hat noch keinen einzigen zählbaren außenpolitischen Erfolg erzielt.

Anders als sein Vorgänger hat er aber zumindest keine schweren Fehler begangen, und das ist ja auch nicht unwichtig. Um seine Ziele zu erreichen, hat Obama noch drei Jahre Zeit. Alle Erwartungen wird er aber auch dann nicht erfüllt haben. Wie könnte er auch?


christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2009)

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