Italiens Bischöfe über Straßburger Richter empört

Italiens Bischöfe über Straßburger Richter empört
(c) AP (Alessia Pierdomenico)

"Kreuz ist nicht nur religiöses, sondern auch kulturelles Symbol", heißt es aus der italienischen Bischofskonferenz. Der Vatikan wollte zum umstrittenen Kruzifix-Urteil keine Stellung nehmen.

Die italienische Bischofskonferenz CEI verurteilte "die parteiische und ideologische Vision" des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, wonach Kruzifixe nicht in den italienischen Schulklassen hängen dürfen, weil damit das Recht der Schüler auf Religionsfreiheit verletzt werde.

Kreuz als kulturrelles Symbol

Das Kruzifix sei nicht nur ein religiöses, sondern auch ein kulturelles Symbol, hieß es in einer am Dienstag veröffentlichten Presseaussendung der CEI. Laut dem Konkordat zwischen dem Vatikan und Italien des Jahres 1984 sei der Katholizismus Teil des historischen Erbes des italienischen Volkes.

Bischof Vincenzo Paglia, der in der CEI für den interkulturellen Dialog zuständig ist, bezeichnete das Urteil als "verantwortungslos". Damit wolle man die kulturelle Relevanz des Katholizismus in Italien ignorieren. Das Urteil sei eine "Feindseligkeit gegen jede Form von politischer und kultureller Bedeutung der Religion".

Vatikan reagiert mit Bedauern

Für Vatikansprecher Federico Lombardi hat das Urteil mit "Erstaunen und Bedauern" zur Kenntnis genommen: "Es scheint, als wolle man die Rolle des Christentums für die Formung der europäischen Identität leugnen." Als schwerwiegend bezeichnete es Lombardi, dass gerade an Schulen ein Symbol für die Bedeutung religiöser Werte ausgegrenzt werden solle. "Religion leistet einen wertvollen Beitrag für die Erziehung und das moralische Wachstum der Person und ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Zivilisation", sagte der Jesuit.

Der Vorsitzende der christdemokratischen UDC, Pier Ferdinando Casii, meinte, das Kreuz sei ein gemeinsamer Besitz aller italienischen Bürger, sowie Zeichen der christlichen Identität Italiens und Europas. "Das Kruzifix in den Klassenzimmern hat niemals die Religionsfreiheit verletzt, auch nicht das freie Bekenntnis der verschiedenen religiösen Überzeugungen", so Casini.

(Ag./Red.)