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Der Mediator

Erwin der Stifter und der böse Wolf

Niederösterreichs Alt-LH Erwin Pröll im Gespräch mit ORF-Redakteur Armin Wolf (l.)
Niederösterreichs Alt-LH Erwin Pröll im Gespräch mit ORF-Redakteur Armin Wolf (l.)(c) ORF/Screenshot
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Ein Abschiedsinterview von Niederösterreichs aus dem Amt geschiedenen Landeshauptmann Erwin Pröll in der „ZiB2“ des ORF enthüllte gnadenlos, wie die Politik Menschen verändern kann, die nur noch von straffer Führung träumen.

Skandal! Da stellt sich ein Politiker nach 25 Jahren segensreichem Wirken an der Spitze seines Landes zum Abschied dem ORF zur Verfügung, er möchte in diesem Fall wahrscheinlich nichts anderes tun, als allen Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern mit einem herzlichen „Pfiat Gott!“ das Nachleben zu erleichtern – und was bekommt er in der „ZiB2“ von einem Herrn mit dem reißerischen Namen Wolf zu hören? Unbotmäßiges, das sich niemand in ordentlichen Landesstudios vorstellen will, in denen von Anfang an „klitzeklar“ feststeht, welche Fragen zu den gestifteten Antworten passen dürfen.

Im Ernst, das Interview von Armin Wolf mit dem inzwischen zum Altlandeshauptmann mutierten ÖVP-Politiker Erwin Pröll ist ein Lehrstück dafür, wie Journalisten fragen können, Politiker aber nicht reagieren sollten. Kann zum Beispiel der Befragte tatsächlich mit „ausmerzen“ antworten, wenn es um den fehlenden Konsens von SPÖ und ÖVP im Bund geht? Selbst einem robusten Bauernbündler müsste klar sein, dass dieser biologische Begriff seit mehr als 70 Jahren eher verpönt ist. Ausgemerzt, also ausgerottet, vernichtet, getilgt, werden Schädlinge. Nun, man könnte jetzt erwidern, „ausmerzen“ sei böswillig aus dem Kontext gerissen worden. Hier der ganze Satz: „Ich finde Streitereien generell in der Bundesregierung nicht gut, allerdings das kann man nur dann ausmerzen, wenn eine straffe Führung in der Bundesregierung vorhanden ist.“


„Landesfeind“. Was eine straffe Führung in Sankt Pölten vom Journalismus hält, konnte man in der „ZiB2“ anschließend mehrfach deutlich hören. Die „Schreibstuben und Redaktionsstuben in Wien“ sind Pröll suspekt. In verkürzter Form hat das der „Mediator“ vor einigen Jahren, als Wörter wie Skylink oder Wohnbauförderung noch unbelastet waren, im Kreis von an sich als seriös eingeschätzten Journalisten erfahren. Der Landeshauptmann eröffnete ein zwangloses Gespräch mit dem Urteil: „Ich sage es gleich direkt: Ich mag euch nicht!“ Immerhin noch besser, als unter Pröll ein SPÖ-Chef zu sein, den er als destruktiv einschätzt. Der Alt-LH konnte sich im Interview mit Wolf nicht darauf einigen, ab welchem Zeitpunkt so ein Zerstörer zum „Landesfeind“ erklärt werden muss.

Definitiv in Gefahr gerät, wer über eine Privatstiftung des Landeschefs reden will. Da tönen aus NÖ rasch Begriffe wie „Fake News“, „Sudelkampagne“ oder „Rufmord“. Aus der zweiten Reihe der ÖVP-Führung. Der Stifter schweigt. Wenn es um diese Causa ging, redete Pröll mit Wolf lieber über die Transparenz, die er sich für den ORF und manche Gehälter von deren Mitarbeitern wünschen würde. Dieses Ablenkungsmanöver ist ihm tatsächlich gelungen, denn als Pröll sagte, das sei „Privatgeld, das mir zugeordnet wurde aufgrund meines 60. Geburtstages“, wurde nicht nachgefragt: Was bedeutet „Privatgeld“? Was meint er denn mit „zugeordnet“? Und was hat das mit seinem 60. Geburtstag zu tun?

Vielleicht weiß man mehr nach dem Musterprozess, den Florian Klenk, Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung „Falter“, anstrengt. Er klagt die ÖVP-Niederösterreich wegen deren wiederholter Vorwürfe, Klenk habe in seinem Blatt „Fake News“ verbreitet.

Bis dies geklärt ist, stellt man Landeshauptleuten am besten Fragen, die sie erfreuen und bestätigen. Einige jüngere Beispiele befreundeter Medien:

★ Könnte Ihre geordnete Übergabe jetzt auch für Ihren Freund Michael Häupl und andere Landeshauptleute Vorbild und Inspiration sein?

★ Aber gerade Ihr 70. Geburtstag war ein Termin, wo sehr viele Gratulanten aus der Bevölkerung an Sie herangetreten sind, um Sie zum Weitermachen zu überreden.

★ Was ist Ihnen in den knapp 25 Jahren als Landeshauptmann besonders gelungen?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2017)