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Homosexuelle in Tschetschenien festgenommen und getötet

In Tschetschenien gibt es doch gar keine Homosexuellen, heißt es.
In Tschetschenien gibt es doch gar keine Homosexuellen, heißt es.imago/Pacific Press Agency
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Zuerst waren es nur Gerüchte in den sozialen Medien. Eine oppositionsnahe russische Zeitung bestätigt nun, dass mehr als hundert Personen verschleppt wurden - auch von Morden wird berichtet.

In der russischen Teilrepublik Tschetschenien sind einem Medienbericht zufolge mehr als 100 Männer "im Zusammenhang mit ihrer nicht-traditionellen sexuellen Orientierung - oder deren Verdacht" festgenommen worden. Drei Menschen seien bei den landesweiten Razzien ums Leben gekommen, berichteten mehrere deutschsprachige Medien am Sonntag unter Berufung auf die russische Zeitung "Nowaja Gaseta".

Mit den Worten "nicht-traditionellen sexuellen Orientierung" wird in Russland oft Homosexualität umschrieben. Alwi Karimow, der Sprecher des tschetschenischen Republikführers Ramsan Kadyrow, bezeichnete nach Angaben der "Süddeutsche Zeitung" oder orf.at den Bericht als "Lüge" und "Desinformation": "Man kann niemanden verhaften oder unterdrücken, den es in der Republik gar nicht gibt."

Außerdem: "Würden solche Leute in Tschetschenien existieren, müssten die Sicherheitsbehörden sich gar nicht um sie kümmern, da ihre Verwandten sie selbst an einen Ort schicken würden, von dem sie nicht zurückkehren." Homosexualität steht in der islamisch geprägten Region zwar nicht unter Strafe, wird aber geächtet.

Der Auslöser der Verfolgungen

Ausgelöst sei die Anti-Schwulen-Aktion worden, nachdem Aktivisten der Homosexuelleninitiative Gayrussia.ru um die Genehmigungen für die Abhaltung von Paraden in mehreren Städten im Kaukasus angesucht hätten, berichtet die "Nowaja Gaseta". Die Anfragen seien wenig überraschend zurückgewiesen worden, seien aber ohnehin nur pro forma gestellt worden. Die Gruppe sei dabei, Beweise zu sammeln, um eine Klage gegen Russland vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof (EGMR) vorzubereiten.

Unter der LBGT-Community des Landes herrsche nun Panik, so die Zeitung. Zahlreiche Homosexuelle würden nun ihre Onlineprofile löschen oder aus der Region fliehen. Ohnehin lebe kein Schwuler seine sexuelle Orientierung offen aus - das würde, so die Zeitung, im Kaukasus einem Todesurteil gleichkommen.

Ihre Informationen zu den Razzien bezog die Zeitung von Quellen im tschetschenischen Außenministerium, der Regierung, den örtlichen Geheimdiensten, der Staatsanwaltschaft und LGBT-Aktivisten. Unter den Festgenommenen, die zum Teil wegen "Mangel an Beweisen" wieder freigelassen oder außer Land flüchteten, seien auch Würdenträger und zwei bekannte Fernsehmoderatoren.

 

(APA/Red.)

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