Österreich
''Kreuz gehört zur Identität Europas''
Politiker aus ÖVP, FPÖ und BZÖ sprechen sich für Kruzifixe in den heimischen Klassenzimmern aus. Das Kreuz sei ein Symbol des christlichen Abendlandes.
Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), wonach Kreuze in Italiens Schulklassen gegen das Recht auf Religionsfreiheit verstoßen, stößt auch in Österreich auf heftige Kritik: Politiker von ÖVP, FPÖ und BZÖ haben den Entschluss kritisiert und pochen auf die Bedeutung des Kreuzes als Symbol für das christliche Abendland. Die SPÖ äußert sich zurückhaltend, die Grünen begrüßen hingegen die Entscheidung.
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Einer der ersten Kritiker war FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der das Kreuz in Schulklassen als "wesentlichen Teil unserer österreichischen Tradition und Identität" bezeichnete.
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Der Europaabgeordnete Andreas Mölzer (FPÖ) geht noch einen Schritt weiter und nennt das Kreuz ein "Symbol der geistig-kulturellen Identität unseres Kontinents". "Und diese Identität ist nun einmal jene des christlichen Abendlandes, und zwar unabhängig davon, ob der einzelne gläubiger Christ oder Atheist ist."
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Auch der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer (ÖVP) will die Kreuze in den Klassen nicht missen, gehöre es doch zu den Eckpfeilern der europäischen Identität. "Wichtig sei es, im gesunden Bewusstsein der eigenen Identität, ohne falschverstandene Toleranz, mit dem gebotenen Respekt auf andere Kulturen und Glaubensgemeinschaften zuzugehen", ergänzte Neugebauer.
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Auch in der Landespolitik sorgte die Entscheidung für Aufregung: Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) "werde dafür eintreten, dass die Kreuze in den Klassen und in den Kindergärtengruppen bleiben", sagte er im ORF-Radio Oberösterreich. Bereits vor einem Jahr hatte es in Oberösterreich einen Kruzifix-Streit gegeben: Die SPÖ-geführte Stadt Linz hatte in ihren Kindergärten, Krabbelstuben und Horten keine Kreuze aufgehängt. Die ÖVP ortete ein "Kreuzzeichen-Verbot". Letztlich lenkte die Linzer SPÖ ein und hängte Kruzifixe auf.
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Auch der Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler (BZÖ) will Kreuze nicht aus Klassenzimmern entfernen und übt Kritik am EGMR: "Anstatt sich mit dem täglichen Gewalt- und Moralschrott, der über unzählige TV- und Internetkanäle auf unsere Jugend losgelassen wird, zu beschäftigen, wird ein Kreuz im Klassenzimmer zum Problemfall."
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"Bei uns bleibt das Kreuz wo es ist", meinte BZÖ-Generalsekretär Stefan Petzner.
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Einzig der Grüne Bildungssprecher Harald Walser begrüßte die Entscheidung des EGMR als klare Trennung von Kirche und Staat: "Daher braucht es keine religiösen Symbole wie das Kreuz in der Schule." Einen Kulturkampf wolle er nicht, "niemand möchte auf die christliche Tradition verzichten".
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Zurückhaltend äußerte sich der SPÖ-Bildungssprecher Elmar Mayer: "In Schulen, an denen die Mehrzahl der SchülerInnen einem christlichen Religionsbekenntnis angehört, ist in allen Klassenräumen vom Schulerhalter ein Kreuz anzubringen", berief sich Mayer auf das Konkordat und das Religionsunterrichtsgesetz.
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Erwartungsgemäß sprach sich der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn gegen ein Verbot von Kruzifixen in Klassenzimmer aus. "Das Kreuz in den Klassenzimmern verletzt die Religionsfreiheit nicht, auch nicht das freie Bekenntnis der verschiedenen religiösen Überzeugungen", sagte er. "Dieser Kontinent hat dann eine Zukunft, wenn er seine Wurzeln nicht leugnet. Das Kreuz ist ein Sinnbild dieser Wurzeln."
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