Bach-Passion als musikalische Fastenspeise

(c) Clemens Fabry
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Marc Minkowski verblüffte mit einer aufs äußerste reduzierten Version der "Johannespassion" im Musikverein.

Die Idee ist nicht neu. Versuche, sie zu realisieren, verblüffen aber immer wieder. Marc Minkowski ist einer der Vertreter der These, dass Johann Sebastian Bach seine großen Chorwerke einst mit nur solistisch besetztem Chor aufführen konnte (und vielleicht auch wollte). Das zu diskutieren ist eine Konzertrezension gewiss nicht der rechte Platz – aber nach der jüngsten Aufführung der „Johannespassion“ durch die Musiciens du Louvre im Musikverein sind doch leise Zweifel angebracht, ob in einem Konzertsaal eine dermaßen reduzierte Sängerschar die adäquaten Effekte hervorbringen kann. Jedenfalls gingen viele vokale Passagen in den Klangwogen des ebenso karg besetzten, aber vom riesigen Kontrafagott (Bach schreibt den „Basso grosso“ ausdrücklich vor) grundierten Instrumental-Ensembles unter. Was blieb, war ein reichlich verschwommener Eindruck von den heftig pulsierenden, bedrohlich schnarrenden und keuchenden Klängen, die Minkowski offenbar als Bachs Espressivo versteht.

Die betörenden Farben fehlten

Völlig ohne Vibrato servieren die Musikanten auf diese Weise so etwas wie eine Essenz der grandiosen, aufwühlenden Partitur, die auch in dieser Darstellung als grandios und aufwühlend begreiflich wird: Die betörenden Farben, die eine reicher „illustrierte“ Wiedergabe hören lässt, blieben freilich aus. Das war gewünscht und brachte die zuletzt begeistert applaudierenden Hörer vielleicht in die passende Fastenzeit-Stimmung.

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