Italiens Kreuzzug gegen das Kruzifix-Verbot

Das Kruzifix in einer italienischen Klasse
(c) EPA (Franco Silvi)

Kirche und Staat schmieden eine Allianz gegen ein Urteil, das Kruzifixe in Schulklassen untersagt. Vor der Schule, die von den Kindern der Klägerin besucht wird, ist für Samstag eine große Demo angekündigt.

In Italien regt sich breiter Widerstand gegen das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), wonach Kruzifixe nicht in Schulklassen hängen dürfen, weil damit das Recht der Schüler auf Religionsfreiheit verletzt werde. Hochrangige Spitzenpolitiker der Regierungskoalition und der Opposition attackierten die Straßburger Richter und warnten vor dem Verlust der kulturellen Identität Italiens, die eng mit dem Katholizismus zusammenhängt. Demonstrationen und Protestinitiativen wurden zum Schutz des Kruzifixes in den Schulen und öffentlichen Ämtern organisiert.

Regierungschef Silvio Berlusconi nannte das Urteil "inaktzeptabel". "Wir leben in einem katholischen Land." Seine Regierung will Einspruch gegen das Urteil der Straßburger Richter einreichen. Das lobte der vatikanische Staatssekretär Kardinal Tarcisio Bertone. "Der Vatikan kann sich nicht in die Beschlüsse des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte einmischen", sagte Bertone. Er rief aber die anderen europäischen Regierungen auf, gegen das Urteil aktiv zu werden. "Dieser Fall betrifft nicht nur Italien, sondern ganz Europa."

Die EU-Kommission äußerte sich bisher zurückhaltend: Der EGMR sei eine Institution des Europarates, nicht der EU. Bestimmungen für religiöse Symbole in der Öffentlichkeit seien nach dem in der EU geltenden Subsidiaritätsprinzip "rein eine Sache der Mitgliedstaaten", betonte ein Sprecher der Kommission.

Protest vor Schule der Klägerin

Gruppen von Gläubigen planen am Samstag vor dem Gymnasium "Vittorino da Feltre" in Abano Terme nahe der norditalienischen Stadt Padua eine Demonstration gegen das Urteil des EGMR. Die Schule wird von den beiden Kindern der italienischen Bürgerin finnischer Abstammung, Soile Lautsi, besucht, die sich an die Straßburger Richter gewandt hatte, nachdem sie durch alle italienischen Instanzen gegen Kreuze in den Schulen geklagt hatte und stets gescheitert war.

"Wir wollen unsere christliche Identität und unsere Wurzeln retten. Unsere Kinder sollen die christliche Kultur kennen", sagte der UDC-Politiker Antonio De Poli, der die Demonstration in Abano organisiert hat. Die rechte Tageszeitung "Il Giornale" schlug ein Referendum vor, mit dem sich die Bürger über Kreuze in öffentlichen Ämtern und Schulen aussprechen sollen.

Die Gemeinde Sassuolo in der norditalienischen Region Emilia Romagna hat 50 neue Kruzifixe bestellt. Sie sollen in all jene Schulzimmer gehängt werden, in denen es zurzeit keine gibt. "Wir wollen auf diese Weise gegen das absurde Urteil der Straßburger Richter protestieren", sagte Bürgermeister Luca Caselli. Das Stadtoberhaupt von Sanremo, Maurizio Zoccarato, forderte alle Schulleiter auf, Kreuze in den Schulklassen anzubringen.

(Ag./Red.)