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Wettbewerb: Österreich nutzt sein Potenzial nicht aus

Nachbau Porsche 910(c) Kreisel Electric GmbH - Peter Scherb
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Erstmals seit Jahren zeigen internationale Studien wieder einen Aufwärtstrend für den heimischen Standort. Österreich hat gute Forscher, mutige Unternehmen und produktive Mitarbeiter. Aber noch lässt das Land zu viele Chancen liegen, daraus auch Profit zu schlagen.

Wien. Es muss nicht immer ein Tesla sein. Am Donnerstag stellte das oberösterreichische Technologieunternehmen Kreisel Electric den ersten strombetriebenen Sportwagen der Marke Kreisel vor. Es ist ein Nachbau des legendären Porsche 910 aus den 1960er-Jahren. Nur diesmal schafft es der E-Bolide in 2,5 Sekunden auf hundert km/h, fährt 350 Kilometer weit und speichert während der Ruhepausen in der Garage den Strom von den Solaranlagen auf dem Dach. Die Entwicklung des jungen Mühlviertler Unternehmens ist ein Paradebeispiel dafür, was in diesem Land möglich wäre – wenn es seine Chancen voll ausnützen würde.
Die Rahmenbedingungen sind so gut wie lang nicht. Nach fast zehn Jahren im Abwärtssog ist Österreich in Sachen Wettbewerbsfähigkeit endlich wieder auf der richtigen Spur. Die heimische Wirtschaft wächst immerhin so schnell wie jene im Rest der EU, Unternehmen investieren wieder in neue Produkte statt in Effizienzsteigerungen, ein paar bürokratische Hürden sind beseitigt, und sogar die Steuerlast ist marginal gesunken.

Hoher Wohlstand, hohe Kosten

„Der Abwärtstrend ist gestoppt“, bestätigt Bernhard Gröhs, Managing Partner von Deloitte Österreich, bei der Präsentation des Standortradars, einer Zusammenschau von fünf internationalen Studien zu den Themen Lebensqualität, Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Digitalisierung. Noch liegt das Land in dieser Bewertung auf dem weltweit 19. Platz. Bis 2025 müsse der Sprung unter die besten zehn geschafft sein, „sonst können wir uns den Wohlstand, an den wir uns gewöhnt haben, nicht mehr leisten“, mahnt Gröhs.

Die Steuerreform und die Bemühungen zur Entbürokratisierung waren kleine Schritte in die richtige Richtung. Doch immer noch lähmen hohe Kosten und starke Regulierung viele Unternehmer. Die Staatsverschuldung lag 2015 mit 85,5 Prozent des BIPs erstmals über dem EU-Schnitt, die Steuer- und Abgabenquote zählt weiterhin zu den höchsten weltweit, und auch die Arbeitskosten stiegen 2015 in Österreich so stark wie in keinem anderen westeuropäischen Land (mit Ausnahme von Großbritannien).

An Kompetenz und lukrativen Gelegenheiten mangelt es der heimischen Wirtschaft nicht. Schon heute zählen Österreichs Unternehmen zu den innovativsten weltweit. Die Erhöhung der Forschungsprämie auf 14 Prozent wird helfen, den Erfindergeist weiter zu stärken. Doch viele gute Ideen aus Österreich verlaufen im Sand, bevor sie sich zu Geld – und somit zu volkswirtschaftlichem Wohlstand – machen lassen, sagt Barbara Edelmann, Partnerin bei Deloitte. So generiere das Land etwa aus vielen guten Erfindungen nur sehr geringe Umsätze aus Patenten und Lizenzen.

Digitale Infrastruktur fehlt

Nachholbedarf gibt es auch bei der digitalen Infrastruktur. Österreichs Maschinenbauer und Green-Tech-Unternehmen seien wie geschaffen, um die Digitalisierung der Industrie voranzutreiben. Allerdings fehlt in vielen Fällen die notwendige Infrastruktur, um diese Chance zu nutzen – Stichwort 5G-Ausbau. Auch die Tatsache, dass es in Österreich die EU-weit höchste Zulassungsrate an E-Autos gibt, nutzt den Unternehmen nur wenig, solange das flächendeckende E-Tankstellen-Netz fehlt. Auf dem Arbeitsmarkt lässt Österreich ebenfalls Möglichkeiten liegen. Obwohl die Arbeitslosenrate vergleichsweise hoch ist, haben viele Unternehmen Probleme, die richtigen Mitarbeiter zu finden. Das liege unter anderem daran, dass ältere Frauen und Migranten nachweislich schwereren Zugang zum Arbeitsmarkt hätten, heißt es in der Studie. Um das zu ändern, plädieren die Experten unter anderem für die Einführung einer Frauenquote und das Recht auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem Ende des Mutterschutzes.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.04.2017)