Quelle Österreich: "Überlebenschance eher bescheiden"

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THEMENBILD: QUELLE-SHOP(c) APA/GEORG HOCHMUTH (Georg Hochmuth)
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Otto kauft die Marke Quelle und das Versandgeschäft in Russland - damit soll das Osteuropageschäft gestärkt werden. Die Zukunft von Quelle Österreich und ihren 1000 Arbeitnehmern ist weiter offen.

Nachdem der Versandriese Otto die Rechte an den Marken "Quelle" und "Privileg" erworben hat, ist für Quelle Österreich nur mehr eine "Stand-Alone-Lösung" möglich, teilte die Österreich-Tochter am späten Donnerstagnachmittag mit. Trotz der angespannten Situation sieht Quelle-Österreich-Vorstand Wolfgang Binder noch eine Überlebenschance, "wenngleich sie eher bescheiden ist".

Derzeit werde mit einem Investor verhandelt, in dessen Modell diese Lösung passt, sagte Quelle-Österreich-Sprecher Michael Obermeyr. Anfang nächster Woche werde die Entscheidung kommuniziert, so der Sprecher. Zu den jüngsten Entwicklungen wird morgen, Freitag, um 9 Uhr eine Betriebsversammlung bei der Quelle Österreich in Linz abgehalten, sagte Betriebsratschef Felix Hinterwirth. Man sei jedenfalls für den "Worst-Case" gerüstet.

Otto sichert sich Marke Quelle

Otto übernimmt das Russland-Geschäft des insolventen Fürther Konkurrenten und baut damit seine Führungsposition auf dem osteuropäischen Wachstumsmarkt aus. Wie es mit Quelle Österreich weitergeht, ist indes noch ungewiss. Betroffen sind rund 1100 Mitarbeiter.

Otto habe sich in einem offenen Bieterverfahren gegen zahlreiche Konkurrenten durchgesetzt, berichtete der Quelle-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Donnerstag. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden.

Verkauf in Österreich soll nicht behindert werden

Otto sicherte sich dabei nicht nur die Rechte an der Marke Quelle, sondern auch an deren Eigenmarken wie Privileg. Der Hamburger Versandhändler kann damit in Zukunft in Österreich, Deutschland, Russland und weiteren mittel- und osteuropäischen Ländern die Marken, Logos und die meisten Internet-Domains des in Abwicklung befindlichen Konkurrenten nutzen. Nicht enthalten im Kaufvertrag sind die Marken Küchen Quelle und Foto-Quelle.

Mit dem Kauf der Markenrechte soll der Verkauf von Quelle Österreich aber nicht behindert werden, betonte Otto-Sprecher Thomas Voigt. Sollte die heimische Quelle-Tochter einen Investor finden, sei Otto bereit die Marke anzubieten. "Wir werden dabei fair und gewissenhaft prüfen", sagte Voigt. Es liege Otto "am Herzen", das die österreichischen Quelle-Mitarbeiter "eine faire Chance haben". Die Nachricht, dass der Versandriese Otto die Marken-Rechte erworben hat, habe ihn "wie eine Keule getroffen", sagte Österreich-Vorstand Binder. Damit sei das Fortführungsszenario der internationalen Quelle Gesellschaften mit und rund um Quelle Österreich zerbrochen.

Führende Position im Osten

Otto übernimmt nicht nur die Markenrechte sondern auch das komplette Versandgeschäft von Quelle Russland. "Wir freuen uns, durch diesen Zukauf unsere führende Marktposition in einem der weltweit größten Wachstumsmärkte des Distanzhandels noch einmal deutlich und für lange Zeit auszubauen", betonte Hans-Otto Schrader, der Vorstandsvorsitzende der Otto Group.

Russland gilt dank zweistelliger Wachstumsraten im Einzelhandel als einer interessantesten Wachstumsmärkte für Versandhändler. Otto ist hier nach einigen Übernahmen bereits Marktführer. Quelle war zuletzt die Nummer zwei auf dem Markt.

Kartellbehörden müssen noch genehmigen

Beide Versandhäuser bieten in Russland vorwiegend Mode, Schuhe, sowie Haus- und Heimtextilien an. Hier eröffneten sich für die Zukunft hohe Synergie-Potenziale, betonte Otto. Insgesamt beschäftigt Quelle Russland bisher 280 Mitarbeiter.

Die Übernahme der Markenrechte und von Quelle Russland steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die russischen und europäischen Kartellbehörden.

Nicht enthalten in dem von Otto erworbenen Paket sind der Quelle-Kundendienst Profectis, die Call Center und der Home Shopping Kanal HSE 24. Für diese Gesellschaften würden die in der vergangenen Woche begonnenen Verkaufsgespräche fortgesetzt, berichtete Görg.

(APA)

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