Putin warnt GM wegen "eigentümlichem Geschäftsstil"

Vladimir Putin
Vladimir Putin(c) AP (Alexei Druzhinin)
  • Drucken

Aus den meisten Ländern kommt durchwegs Zustimmung zur Entscheidung von GM, Opel doch zu behalten. Russlands Regierungschef Wladimir Putin hingegen will den "eigentümlichen Geschäftsstil" von GM künftig "berücksichtigen".

Der russische Regierungschef Wladimir Putin hat sich enttäuscht über den Rückzieher von General Motors (GM) beim geplanten Opel-Verkauf geäußert. Mit seiner Entscheidung stelle GM alle Beteiligten trotz der zuvor getroffenen Vereinbarungen vor vollendete Tatsachen, kritisierte Putin am Donnerstag. Seine Regierung werde zwar in Russland weiter mit GM zusammenarbeiten, aber den "eigentümlichen Geschäftsstil (von GM) im Umgang mit europäischer Konkurrenz" berücksichtigen, warnte der Ex-Kremlchef nach Angaben der Agentur Interfax. Putin hatte sich wiederholt öffentlich für ein Gelingen des Geschäfts stark gemacht.

250 Millionen Euro aus Russland

Russlands Regierungschef sagte, Moskau habe für den Deal 250 Millionen Euro Staatsgarantien bereitstellen wollen. "Damit sollten (bei dem Opel-Geschäft) auch die deutsche Regierung und die deutschen Finanzinstitute entlastet werden."

Der geplante Einstieg der russischen Sberbank zusammen mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna bei Opel sei wegen des Zugriffs auf westliche Technologien eine Chance für die russische Autoindustrie gewesen. Putin kündigte nach dem geplatzten Opel- Geschäft eine weitere Finanzspritze für die marode Autobranche des Landes an. Der Staat investiere fünf Milliarden Rubel (115,5 Millionen Euro) in den Hersteller Avtovaz (Lada).

Positive Reaktionen aus Europa

Spanien steht der Entscheidung von GM eher positiv gegenüber. Die Regierung wies darauf hin, dass GM das Opel-Werk bei Saragossa immer als eines der profitabelsten des Konzerns eingeschätzt hatte. Bei einer Übernahme von Opel durch Magna und die russische Sberbank war in Spanien befürchtet worden, dass Opel sich mehr an Osteuropa ausgerichtet hätte. Die Spanier hoffen darauf, dass GM für das Werk eine bessere Regelung findet als Magna - der österreichisch-kanadische Zulieferer hatte 900 der 7.500 Arbeitsplätze abbauen wollen. Die spanischen Opel-Beschäftigten wollen sich nicht an den Warnstreiks gegen die GM-Entscheidung beteiligen.

Erleichterung in Polen

In Polen herrscht nach dem gescheiterten Verkauf von Opel große Erleichterung. Die Magna-Pläne seien für den polnischen Standort Gliwice (Gleiwitz) ungünstig gewesen, der Investor wollte keine Garantie für das Weiterbestehen der Fabrik abgeben, sagte der Vize-Chef der Gewerkschaft "Solidarnosc" im Betrieb, Miroslaw Rzezniczek. Die Belegschaft wartet nun auf ein Sanierungskonzept von GM. Auch der polnische Wirtschaftsminister, Vize-Regierungschef Waldemar Pawlak, erwartet eine bessere Zukunft für die polnische Opel-Fabrik. In Gliwice sind rund 2.500 Mitarbeiter beschäftigt. Am Mittwoch wurde die Produktion die Produktion des neuen Astra-Modells aufgenommen.

Britische Gewerkschaft: "Fantastisch"

Großbritannien nahm die Entscheidung positiv auf. Proteste der Arbeiter gab es zunächst nicht. Die Gewerkschaft Unite bezeichnete die Entscheidung als "fantastisch". Denn die Briten hatten befürchtet, dass deutsche Werke durch den ursprünglichen Deal mit Magna bevorzugt werden. In den Werken der Opel-Schwestermarke Vauxhall in Ellesmere Port und Luton arbeiten 5.500 Menschen. Die Arbeitnehmervertreter gehen davon aus, dass es auch mit GM Stellenstreichungen bei Vauxhall geben wird. Priorität sei nun, dass so wenig Jobs wie möglich wegfallen, hatte Unite-Generalsekretär Tony Woodley erklärt. Die Regierung sagte den Vauxhall-Werken erneut Unterstützung zu.

Anspannung in Belgien

In Belgien bleibt die Stimmung der Mitarbeiter angesichts der möglichen Schließung des Werkes in Antwerpen weiter angespannt. Zu den Früh- und Spätschichten an diesem Freitag sowie am Sonntag seien Streiks geplant, sagte Rudi Kennes von der sozialistischen Gewerkschaft ABVV. Die flämische Regierung beraumte eine Krisensitzung an. Das Werk in der Hafenstadt Antwerpen soll belgischen Medienberichten zufolge im April 2010 geschlossen werden. 2.584 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Die belgischen Gewerkschaften denken darüber nach, juristisch gegen GM vorzugehen. Der Tageszeitung "De Standaard" zufolge werfen sie GM Vertragsbruch vor.

(Ag./Red)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.