Hätte Karajan einst das Licht aufgedreht

Georg Zeppenfeld als 'Hunding' und Michaela Kaune als 'Sieglinde'.
Georg Zeppenfeld als 'Hunding' und Michaela Kaune als 'Sieglinde'.APA/NEUMAYR/LEO
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Zum 50-Jahr-Jubiläum der Salzburger Osterfestspiele baute man Günther Schneider-Siemssens Bühnenbilder für das erste Festspieljahr nach. Dennoch wurde die „Walküre“ kein Déjà-vu-Erlebnis, aber ein orchestrales Fest.

"Weißt du, wie das wird?" So fragen die Nornen. Diesmal müssten sie fragen: Weißt du, wie das war? Und es waren einige im Auditorium, die dabei waren, als Herbert von Karajan 1967 den Taktstock hob, um sich mit einer legendären Aufführung von Wagners „Walküre“ in das Wagnis seines Privatfestivals zu stürzen. Allen voran Sieglinde und Fricka der ersten Stunde, Gundula Janowitz und Christa Ludwig, die den Versuch eines Remakes der damaligen Produktion aus der fußfreien Reihe des großen Festspielhauses begutachteten. Zum 50. Jahrestag der Osterfestspiel-Inauguration hat man die Bühnenbilder der Eröffnungspremiere nachbauen lassen. Damit ist es mit den Assoziationen aber auch schon wieder zu Ende. Denn anders als bei vielen der gerade modischen Unternehmungen, historische Inszenierungen nachzustellen, hat man im Fall der Karajan-„Walküre“ gar nicht erst den Versuch gemacht, auch bei der Regie wieder Anleihen zu machen.

Vielmehr hat Vera Nemirova in den alten Dekors und in neuen Kostümen (Jens Kilian) versucht, die Handlung des Dramas möglichst bewegt nachvollziehbar zu machen – und zwar in grelles Licht getaucht. Ganz im Gegensatz zu Karajans einstiger, in magischem Dunkel ganz aus der Musik geborener Minimalistik – pflegt man heute eine Art Gebärdensprache für Begriffsstützige.
Für Menschen jedenfalls, die nicht imstande sind, die musikalische Sprache Richard Wagners auch nur in Ansätzen zu dechiffrieren, die nicht glauben können, dass ein schönstimmiger Bass wie jener Georg Zeppenfelds auch den Bösewicht Hunding singen kann, und die Mühe haben, dem für heutige Begriffe dunklen Text inhaltlich zu folgen – den sie, wenn sie ihn mangels klarer Diktion der Sänger schon nicht gesungen verstehen, doch immerhin dank der Übertitel mitlesen können.

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