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Grüner Konflikt: "Wenn mir jemand vor die Tür macht..."

Gruene Petrik
(c) Screenshot tvthek.orf.at
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Eva Glawischnig und Flora Petrik diskutierten in der ORF-Sendung "Im Zentrum" darüber, was zwischen ihnen schief gelaufen ist. Ein Politologe und ein Kommunikationsberater wussten es besser.

Sonntagabend präsentierte sich den Zusehern des Senders „ORF 2" eine eigenartig anmutende Diskussionssendung: Denn bei „Im Zentrum" waren Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig und die Chefin der Jungen Grünen Flora Petrik geladen, um darüber zu sprechen, was zwischen ihnen schief gelaufen ist - und gaben sich zunächst betont milde. „Es ging nie darum, dass nicht Kritik geübt werden soll; im Gegenteil: Kritik ist erwünscht“, hielt Glawischnig die Position der Mutterpartei fest. Vielmehr sei es darum gegangen, „dass es eine Partei nicht akzeptieren kann, wenn gegen sie kandidiert wird“, spielte sie darauf an, dass sich die Jugendorganisation geweigert hatte, bei den ÖH-Wahlen auf die Unterstützung einer grünen Gegenliste zur etablierten Gras zu verzichten. „Mir tut's auch leid, ich bedaure das auch.“

Auch Petrik gab sich sanft, beinahe schon reumütig: „Diese Rücktrittsforderung (an Glawischnig, Anm.), die war vielleicht ein bissi zu viel, die war vielleicht auch zu harsch.“ Sie habe den Eindruck, „dass der Konflikt in einem sehr irrationalen Level angekommen ist“. Ihre Meinung sei aber nach wie vor, „dass sie (die Grünen, Anm.) von einer Bewegungspartei, die von sehr vielen Menschen getragen wird, zu einer Apparatspartei geworden ist.“ Das zeige sich auch darin, dass es die Jungen Grünen seit sieben Jahren gebe, das „erste reguläre Treffen (mit Glawischnig, Anm.) war aber unser Abschiedstreffen“. Die Bundesparteisprecherin konterte: „Die Jungen Grünen werden regelmäßig in den erweiterten Bundesvorstand eingeladen.“

Zwei einigermaßen traurige Politikerinnen, die inhaltlich gar nicht so weit voneinander entfernt liegen (Glawischnig: „Ich habe nie verstanden, worum es inhaltlich geht."), waren aber nicht das einzig Sonderbare an der von Claudia Reiterer gut moderierten Sendung. Hinzu kam, dass sich in ihrem Verlauf der ebenfalls geladene Kommunikationsberater Rudolf Fußi und der Politikwissenschafter Anton Pelinka zu Analysten mauserten, die Glawischnig und Petrik erläuterten, wie Politik gemacht gehöre: Pelinka nannte „den Parteiausschluss vorgestrig“ und sah die Gewinner in dem Konflikt nicht in den Reihen der Grünen, sondern anderswo: „Als Funktionär der Neos, der ÖVP oder SPÖ würde ich mich (über den Auftritt der Grünen) freuen.“

Fußi störte sich daran, dass die Mitgliederzahlen der Jungen Grünen offenbar Interpretationsfrage seien. 4000 zählen die Jungen selbst, verstehen darunter aber alle Personen, die sich mit Interesse an die Organisation gewandt haben. 700 bis 800 sollen auch tatsächlich für die Organisation gelaufen sein. Noch weniger nachvollziehbar befand er dann auch das Bekenntnis von Petrik, die Debatte nun nutzen zu wollen, um „gemeinsam zu überlegen, in welcher Richtung kann es weitergehen“. Fußi dazu: „Wenn mir jemand vor die Tür macht und dann anläutet und mich freundlich nach einem Klopapier fragt, werde ich ihn eher vom Grundstück verweisen und raus schmeißen. Und nicht fragen: Was hätten Sie gerne?“

Neben der Debatte im ORF, wurde auch auf Twitter diskutiert - und zwar mehr und emotionaler: Journalistin Eva Weissenberger zufolge hielt sich die erst 22-jährige Flora Petrik wacker:

Die Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings Sonja Ablinger kritisierte das geschlechtsspezifische Setting, bei dem die Männer als Analysten auftreten:

 

Politberater Rudolf Fußi, der neuerdings auch als politischer Kabarettist auftritt, wurde unterschiedlich bewertet. Einerseits wurde seine Einschätzung von manchen Usern gelobt, andere fanden seine harte Gangart gegenüber der Jung-Politikerin Petrik übertrieben:

Wenig überraschend waren auch die zahlreichen ironischen Anspielungen auf Twitter, die wie gewohnt, mal mehr und mal weniger ins Schwarze trafen:

>>> "Im Zentrum"

(hell/mtp)