Franz Welser-Möst machte die formalen Kühnheiten in Mahlers Neunter Symphonie geradezu schmerzhaft spürbar.
Dass Mahlers Neunte Symphonie im Rahmen der Jubiläums-Festspiele im österlichen Salzburg erklingt, ist insofern schön, als dieses Werk für den Festspielgründer Herbert von Karajan einen besonderen Stellenwert hatte. Es war die letzte der fünf großen Mahler-Werke, die Karajan in sein Repertoire aufnahm – und es war jenes Werk, in dem seine ganz und gar von Bruckner herkommende Mahler-Exegese einen einsamen Höhepunkt erreichte.
Franz Welser-Möst war nun berufen, diese Neunte Symphonie aus Anlass des 50. Jahrestages der Gründung der Salzburger Osterfestspiele zu dirigieren. Auch er ist ein Mann, für den Anton Bruckners Schaffen lebenslang im Zentrum seines Wirkens stand – und der nicht, wie viele Kollegen seiner Generation, den umgekehrten, heute beinah üblichen Weg beschreitet, die komplexen Brucknerschen Architekturen von den Mahlerschen Auflösungstendenzen her begreifen zu wollen.