Otto-Versand sichert sich die Rechte an der Marke Quelle. Der „Plan B“ für Quelle Österreich ist gescheitert.
LINZ/WIEN (cim). Die Situation von Quelle Österreich spitzt sich weiter zu. Schließlich hat die Versandgruppe Otto am Donnerstag die Rechte am Namen Quelle sowie die Russland-Tochter des deutschen Pleitekonzerns gekauft.
Der sogenannte „Plan B“, demzufolge Österreich künftig Drehscheibe für das Geschäft in Zentral- und Osteuropa sein sollte, ist damit gescheitert. „Diese Nachricht hat uns wie eine Keule getroffen. Noch gibt es eine allerletzte Chance für Quelle Österreich. Solange es diese noch gibt, werden wir weiterkämpfen. Noch sehe ich eine Überlebenschance, wenngleich sie eher bescheiden ist“, erklärt Wolfgang Binder, der Vorstandschef von Quelle Österreich.
Das einzige Szenario, in dem Quelle Österreich überleben könnte, sei, binnen kürzester Zeit einen Investor zu finden, der eine Zukunft von Quelle Österreich im Alleingang finanziert. Die Zeit, die noch bleibt, dürfte aber noch diese Woche ablaufen. Und der Verkauf wird immer schwieriger.
Schließlich gehören Otto nun auch die Rechte an der Marke Quelle in Österreich. Obwohl ein Sprecher von Otto erklärte, man wolle der Zukunft von Quelle Österreich nicht im Weg stehen und würde die Markenrechte, falls sich ein Investor findet, diesem anbieten. Schließlich liege Otto die Zukunft von Quelle Österreich „am Herzen“ und man wolle den Mitarbeitern eine „faire Chance“ geben.
„Nerven liegen blank“
Die Otto Gruppe selbst hat kein Interesse, unter dem Namen Quelle auch in Österreich zu verkaufen. Schließlich überschneidet sich das Geschäft der beiden Kataloghändler stark, und jeder Markt vertrage nur ein bis zwei Universal-Versandhändler, heißt es aus Unternehmenskreisen. Österreichs sei damit ausgelastet. Ziel der Übernahme der Markenrechte sei, zu verhindern, dass ein anderer Konkurrent künftig unter dem Namen Quelle auftritt.
In Linz liegen nun „die Nerven blank“, berichtet Felix Hinterwirth, der Chef des Betriebsrates. Heute, Freitag, Vormittag, sollen die 900 Mitarbeiter in der Linzer Zentrale über das weitere Schicksal ihres Unternehmens und damit ihrer Jobs informiert werden.
„Wir wollen den Quelle-Leuten als Ersten und persönlich sagen, wie es weitergeht.“ Morgen wird vermutlich feststehen, ob Quelle Österreich Insolvenz anmeldet. Eine Pleite würde in Österreich 1100 Quelle-Mitarbeiter sowie die Betreiber der 175 Quelle-Shops und deren Mitarbeiter treffen.
Quelle Russland gehört Otto
Neben der Marke Quelle hat sich Otto auch die Rechte an der Eigenmarke Privileg gesichert. Otto hat damit theoretisch die Möglichkeit, den Namen, die Logos oder Internetadressen von Quelle zu nutzen. Ausgenommen sind nur „Küchen Quelle“, „Foto Quelle“, der Quelle-Kundendienst Profectis, die Callcenter und der Shoppingsender HSE24. Ob der Name „Quelle“ innerhalb des Otto-Konzerns weiterverwendet wird, ist noch offen. Möglich sei, Quelle zu einem Spezialversender zu machen oder nur in einzelnen Märkten zu nutzen.
In Russland hat Otto mit sofortiger Wirkung die gesamte Quelle-Tochter übernommen. Der russische Versandhandel gilt als einer der lukrativsten, da dort nach wie vor Wachstumsraten von etwa 20 Prozent erzielt werden. Außerdem tritt Quelle in Russland als Spezialhändler auf und verkauft nur Mode, Schuhe und Wohntextilien.
Allerdings ist auch Otto seit 1990 in Russland aktiv, Quelle hat Russland als erster Versandhändler vor 20 Jahren erschlossen und beschäftigt dort derzeit 280 Mitarbeiter. Otto ist dort jetzt schon die Nummer eins, Quelle war bisher die Nummer zwei.
Durch die Übernahme würden sich nun zahlreiche Synergiemöglichkeiten ergeben, Quelle Russland dürfte deutlich umstrukturiert werden. Allerdings müssen sowohl die deutsche als auch die russische Kartellbehörde der Übernahme noch zustimmen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2009)