Mitarbeitertrainings bauen gezielt interne Sprachhürden ab.
Berge, Meere und tausende Kilometer können Unternehmen und Geschäftspartner nicht mehr voneinander trennen. Genauso wenig wie die Mitglieder der firmeninternen Projektgruppe. Moderne Kommunikationstechnologien, die Englisch als Konzernsprache transportieren, überwinden fast alle sprachlichen und kulturellen Grenzen. Ein paar Stolpersteine bleiben trotzdem auf den Datenhighways der globalisierten Kommunikation liegen. Doch diese kann man mit gezielten internen Trainings aus dem Weg räumen.
Was für Weltkonzerne gilt, gilt auch für kleinere Unternehmen, wie z.B. den österreichischen Softwareentwickler Dynatrace. Zeitzonen, Kultur- und Ländergrenzen zählen nicht mehr. „Wir kommunizieren mittels E-Mail, Videokonferenz, Chat, Blog und Wiki. Wir entwickeln und dokumentieren alles in englischer Sprache“, berichtet CTO Bernd Greifeneder, „Unternehmen, die global agieren, haben erhöhten Kommunikationsbedarf“. Management und Mitarbeiter müssten sich in Zukunft auf erhöhte Anforderungen einstellen. Denn plötzlich sitzen Menschen verschiedenster Kulturen, die durch tausende Kilometer getrennt sind, in einem Team. „Die virtuelle Zusammenarbeit müssen die leitenden Mitarbeiter bewusst angehen, um die Vorteile internationaler Teams optimal zu nutzen. Dazu müssen sie klare Kommunikationsstrukturen schaffen und gezielte Weiterbildungsmaßnahmen setzen“, meint Greifeneder.
„Die Erschließung globaler Märkte erfordert strukturierte Kommunikation und sensibilisierte Mitarbeiter“, ist auch Reinhard Katter, Geschäftsführer der Uniqa Human Resources-Service GmbH, überzeugt. Seine Mitarbeiter sitzen in 21Märkten von Zentral- bis Südosteuropa und „müssen sich täglich über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg verständigen“. Schon ganz allgemeine Themen könnten dabei Verwirrung stiften. „Viel komplexer werden die Anforderungen bei spezifischeren Inhalten“, so Katter.
Einfach ist besser
Tatsächlich erleben viele die nicht-muttersprachliche Kommunikation als große Herausforderung. „Selbst Experten fühlen sich in ihrer beruflichen Funktion aufgrund ihres vermeintlichen Sprachdefizits verunsichert und lehnen deswegen mitunter sogar internationale Aufträge ab“, erzählt Kathrin Kordon, Sprachforscherin an der Universität Wien. Glaubt man jüngsten Forschungsergebnissen der Linguistik, müssen Experten ihres Fachs keine Angst haben, sich sprachlich zu blamieren: Selbst Native Speaker würden sich automatisch dem Sprachniveau ihrer internationalen Kollegen anpassen.
„Global English“ nennt sich dieses Phänomen: „Es ist eine vereinfachte Form des Englischen, ein Nebeneffekt der Globalisierung“, erklärt Kordon. Die Abweichung von sprachlichen Normen behindere nicht die erfolgreiche Kommunikation im Berufsleben. „Im Zweifelsfall zählt bei der Darstellung von Inhalten tatsächlich die Einfachheit“ erzählt Michael Hafner, Spezialist für Internal Communications bei der Erste Group. „Einfachheit zeichnet ohnehin immer gute Kommunikation aus.“
Interkulturelle Mobilität fördern
Die Uniqa-Gruppe hat ein internes Austauschprogramm ins Leben gerufen, um Mitarbeiter für die Kommunikation in multikulturellen Teams zu sensibilisieren: „Sie werden in eine der Tochtergesellschaften im Ausland entsandt, wo sie ihre Sprachkenntnisse verbessern und die Kompetenz in der gesamten Gruppe stärken“, erklärt Katter. Ebenso stehen Präsentations- und Verhandlungstechnik auf Englisch sowie spezielle, kulturelle Länderschwerpunkte auf dem internen Ausbildungsprogramm.
In der wachsenden Komplexität der Interaktionsmöglichkeiten sieht Michael Hafner eine der größten Herausforderungen für die interne Aus- und Weiterbildung: „Mitarbeiter müssen gleichermaßen mit sozialer Vernetzung im Internet umgehen und diese innerhalb der Organisationsgrenzen für sich nutzen lernen.“ Deshalb setze man Blogs, Wikis, Videokonferenzen und virtuelle Teamräume in der täglichen Arbeit ein.
Gerade in internationalen Teams passt sich der Produktivitätslevel schnell dem Niveau der sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen an. „Amerikaner kommunizieren in der Regel sehr höflich. Sie sind den direkten Ton der Österreicher nicht gewohnt, was rasch zu Ungereimtheiten führt“, gibt Greifeneder ein Beispiel für mögliche Missverständnisse.
Um zeitraubende, kontraproduktive E-Mail-Korrespondenz zu vermeiden, greife man daher schon bald zum Telefon. „Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass sich potenzielle Konflikte in räumlich verteilten Teams durch persönliche Kommunikation leichter korrigieren lassen.“ Klassische Kommunikationskanäle wie persönliche Gespräche sind trotz fortschreitender Technologie nicht wegzudenken. „Das persönliche Kennenlernen erleichtert die weitere Zusammenarbeit deutlich“, bestätigt Katter. Auch deshalb legt er Wert darauf, dass die Teilnehmer der hausinternen Managerakademie untereinander Kontakte knüpfen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2009)