Von Weltklasse reden wir nicht

Auch Trainer schießen Eigentore. Fußballteamchef Constantini tut dies, indem er Mainz-Spielmacher Ivanschitz nicht ins Team einberuft.

Jetzt hat der Tiroler Dietmar Constantini offenbar ganz auf stur geschaltet. Obwohl viele ihn dafür kritisieren, dass er den Deutschland-Legionär Andreas Ivanschitz nicht ins Team zurückholt, bleibt er bei seiner Ansage: Heuer gibt es kein Leiberl für den Exkapitän der Nationalmannschaft. Ivanschitz, der in Deutschland bei Mainz für Tore und großartige Leistungen sorgt, muss beim Länderspiel gegen Europameister Spanien zuschauen. Dabei zählt Ivanschitz zweifelsohne zu den 20 besten Fußballspielern Österreichs.

So gesegnet ist dieses Land nicht mit Spitzenkickern, dass man einen erfolgreichen Spieler in der deutschen Bundesliga einfach ignorieren könnte, dürfte. Constantini tut es trotzdem. Die Gründe dafür bleibt er schuldig. Denn zu sagen, Ivanschitz passe nicht ins Konzept, ist zu wenig. Gute Spieler passen nämlich immer ins Konzept. Das haben die so an sich. Und einen Spieler in den Kader zu holen heißt noch lange nicht, dass er dann auch sofort spielt.

Was treibt Constantini also zu seiner sturen Haltung? Sein Sturschädel? Er hat einmal Nein gesagt, und dabei bleibt es. Oder ist es sein Populismus? Fürchtet er gar noch immer einen Teil des Rapid-Anhangs? Jenen Mob, der Ivanschitz bei Länderspielen auspfiff, weil dieser es einst gewagt hatte, Rapid in Richtung Salzburg zu verlassen?

Im Zweifel ist Constantini wohl mehr Populist als Sturschädel. Beides hätte ein Spitzenmann nicht nötig. Aber von Weltklasse reden wir nicht.


gerhard.hofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2009)

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