Let's make money: Die Buffett-Aktie

Warren Buffet
Warren Buffet(c) AP (Nati Harnik)
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Warum die Buffett-Aktie für kleine Leute ein Kauf ist, der Goldpreis nicht in den Himmel wächst und Edelholz riskant sein kann.

Die Börsen haben sich in der vergangenen Woche zwar ganz leicht nach oben bewegt, die Volatilität ist aber erneut gestiegen. Das sollte Anleger grundsätzlich vorsichtig werden lassen. Hohe Kursschwankungen sind ein Alarmzeichen– auch dann, wenn die derzeit noch auf „Verkauf“ stehenden technischen Indikatoren wichtiger Indizes (ATX, Dax, Dow Jones, Nasdaq) merkbar in Richtung Trendwende gehen. Für großflächige Einstiege in den Markt ist die Zeit also definitiv ungünstig.

Eine Flucht aus dem Markt ist momentan aber auch nicht sinnvoll. Die Devise heißt, bestehende Positionen zu halten – aber bei Unterschreiten der hoffentlich gesetzten Stopp Loss Marken rigoros zu verkaufen. Wie wichtig eine strikte Verlustbegrenzung ist, haben jene Aktionäre gesehen, die sich im vergangenen März an die „Presse am Sonntag“-Empfehlung gehalten haben, die Aktie des US-Speicherproduzenten Stec(ISIN US7847741011) zu kaufen, aber eng gesetzte Stopps nach oben mitzuziehen.

Die bei rund sieben Dollar empfohlene Aktie ist auf mehr als 40 Dollar hochgeschossen – um dann brutal auf zuletzt unter 14 Dollar abzustürzen. Wer Stopps gesetzt hat, wird irgendwo zwischen 34 und 36 Dollar verkauft und seinen Einsatz vor Steuern damit annähernd verfünffacht haben. Nicht schlecht für ein halbes Jahr. Wer „aussitzt“, steht zwar noch immer bei fast 100 Prozent Gewinn – wird sich aber angesichts der Kurskurve wohl grün und blau ärgern.

Der Kursabsturz des relativ marktengen Werts hat einen Grund: Ein Großabnehmer ist in Probleme geschlittert und hat seine Abnahmeverpflichtungen zeitlich „gedehnt“. Das hat den Ausblick für das vierte Quartal verschlechtert. Im dritten Quartal hatte das Unternehmen seinen Gewinn ja vervielfacht. Fundamental steht Stec jedenfalls weiter gut da. Es könnte sein, dass sich da für Aktionäre innerhalb eines Jahres zweimal die Chance bietet, ordentlich abzukassieren. Kurzfristig ist aber Zurückhaltung angesagt. Denn es ist keineswegs ausgemacht, dass 13 oder 14 schon ein Wiedereinstiegskurs ist. Zumal dem Unternehmen ein Verfahren wegen möglicher falscher öffentlicher Aussagen droht.

Spekulativ ansehen sollte man sich auch die in Frankfurt notierende Aktie des in die Insolvenz geschlitterten Modelabels Escada(ISIN DE0005692107). Der operative Teil des Modekonzerns ist in der vergangenen Woche von einer Schwiegertochter des indischen Stahlmagnaten Mittal übernommen worden, was den (auf dem Konkursniveau von wenigen Cent gestandenen) Kurs der Aktie gleich einmal um mehr als 30 Prozent hochgetrieben hat.

Sollte die Übernahme gelingen, gibt es viel Kursfantasie. Allerdings: Die Details der Übernahme sind noch keineswegs auf dem Tisch. Mittal könnte, so wird auf dem Markt geunkt, auch überlebensfähige Teile aus der AG herausschälen und damit an der Börse einen eher wertlosen Rest zurücklassen. Das würde der Aktie wohl den Rest geben. Bevor das nicht geklärt ist, heißt es für Anleger also: Finger weg!

Eine Frohbotschaft kommt aus Amerika: Warren Buffett will die kleinere Variante seiner sauteuren Berkshire-Hathaway-Aktie splitten und damit eine Art Buffett-Papier für kleine Leute schaffen: Die zuletzt bei rund 3400 Dollar gehandelte Berkshire Hathaway B (US0846702076) würde nach dem Split rund 68 Dollar kosten – und damit auch in kleinere Portfolios passen. Für die A-Aktie (ISIN US0846701086) sind zurzeit etwas mehr als 100.000 Dollar pro Stück hinzulegen, ein Split ist nicht geplant. Sie wird in Kleinanlegerportfolios wohl weiter ein seltenes Exemplar bleiben.

Berkshire hat langfristig hohe Renditen gebracht (und damit den Ruf von Buffett als Investorenlegende begründet). Das Papier ist für Kurzfristspekulationen weniger geeignet, gilt aber als exzellentes Basisinvestment. Der Split sollte die Nachfrage ankurbeln, das Papier ist deshalb ein klarer Kauf.

Ein heftiger Expertenstreit ist um den (derzeit auf einem nominellen Rekordstand stehenden) Goldpreis ausgebrochen: US-Investmentguru Jim Rogers (der berühmte „Wachküsser“ der Wiener Börse) hat einen Anstieg von derzeit rund 1100 auf 2000 Dollar „im nächsten Jahrzehnt“ prophezeit, der in Österreich nicht sonderlich beliebte Wirtschaftsnobelpreisträger Nouriel Roubini nannte diese Prognose „völligen Unsinn“.

Ich neige in diesem Fall eher zum Standpunkt Roubinis: Der Goldpreis kann durchaus noch ein wenig steigen, für eine richtige Preisexplosion fehlen derzeit aber alle Voraussetzungen. Da müsste die Wirtschaft schon noch einmal dramatisch einbrechen, um eine derartige Entwicklung auszulösen.

Zum Spekulieren ist Gold momentan eindeutig zu teuer. Wer sich das Edelmetall als Sicherheitsanker ins Depot legen will (und bereit ist, dafür möglicherweise auf Renditen zu verzichten), wird freilich von anderen Überlegungen ausgehen.

Der Trend zu Sachwerten schwemmt nun eine Reihe von neuartigen Finanzprodukten auf den Markt. Die deutsche Lignum Nobilis AG etwa, die Edelholzpflanzungen in Bulgarien betreibt, wirbt in Österreich nun für Geldanlage in Edelholz. Prognostiziert werden Jahresrenditen zwischen 7,1 und 11 Prozent.

Anleger beteiligen sich allerdings nicht an den Pflanzungen, sondern erwerben das Recht auf eine gewisse Menge Edelholz, das für den Investor per Bevorrangung abgesichert und nach der Ernte (nach 12 bis 22 Jahren) geliefert wird. Auf den Punkt gebracht ist das eine sehr lange laufende Call Option, die (je nach Edelholz-Preisentwicklung) sehr ertragreich sein kann – oder auch nicht. Als Zumischung zu größeren Depots ist das durchaus interessant. Mir wäre es aber zu riskant.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2009)

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