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Zu viele Flecken, zu wenig Klopapier

Touristen bringen vor Gericht allerlei Beschwerden vor.

Wien (aich). Landet man statt in einem Hotel in einem Stundenhotel, dann kann die Nacht wegen der dort typischen Geräusche ganz schön laut werden. Dafür bekommt man 30 Prozent des Reisepreises ersetzt, urteilte das Handelsgericht Wien (1 R 285/ 05s). Als weniger unangenehm wurden da schon die Erfahrungen bei einer Nilkreuzfahrt eingestuft: Wegen der Flecken auf dem Teppich und auf dem Kühlschrank bekam der Passagier fünf Prozent der Kreuzfahrtkosten ersetzt (1 R 42/06g). Und manchmal muss sich ein Richter auch mit der Frage auseinandersetzen, wie viele Ameisen noch üblich sind. So gab es fünf Prozent Ermäßigung für das „Auftreten von Ameisen in stärkerer als üblicher Intensität“, die aber den Aufenthalt im Bungalow noch nicht unzumutbar machten (1 R 60/06d).

Die Beschwerdefreudigkeit von Reisenden ist ungebrochen, wie aktuelle Fälle zeigen. Alexander Schmidt, Vizepräsident des Handelgerichts Wien, hat sie zusammen mit Assistenzprofessor Gerhard Saria dokumentiert (Rechtsmittelentscheidungen des Handelgerichts Wien, LexisNexis, 8. Lieferung). Manchen Leuten kann es etwa nie warm genug sein: So beschwerte sich ein Tourist, weil Sauna und Jacuzzi fehlten. Da der Fall in einem heißen Urlaubsland spielte, bekam der Tourist nur vier Prozent des Reisepreises rückerstattet (50 R 135/07b). Ärger mit dem Wärme- und Kältegefühl hatte auch ein anderer Reisender: Er konnte die Klimaanlage im Zimmer zwar einschalten, aber mangels Fernbedienung nicht regulieren. Dafür gab es nur fünf Prozent Ermäßigung (50 R 14/09d). Wäre die Klimaanlage komplett funktionsuntüchtig gewesen, hätte der Tourist mit zehn bis zwanzig Prozent Preisminderung rechnen dürfen.

 

Drei verschiedene Klagsmöglichkeiten

Immer wieder spielt fehlendes Klopapier eine Rolle: Diese Beschwerden werden meist mit Klagen über weitere Hygienemängel verbunden und sind durchwegs erfolgreich. Schief ging hingegen die Beschwerde über eine (zufällige) Ansammlung von Homosexuellen im Hotel. Erfolglos war auch die Klage von Pensionisten, die auf den zugesagten Kinderspielplatz pochten, obwohl sie ohne Kinder verreist waren. Überhaupt berichten auf Reiserecht spezialisierte Anwälte, dass Senioren ihre besten Kunden sind. Am aussichtsreichsten sind Klagen wegen Baulärms oder fehlenden Meeresblicks.

Geht die Reise schief, gibt es drei Klagsmöglichkeiten: Man kann Preisminderung verlangen. Ging der Urlaub komplett daneben, kann es sogar zu einer Aufhebung des Vertrags kommen. Dann bekommt man das gesamte Geld zurück. Bei Pauschalreisen besteht überdies die Möglichkeit, Ersatz für die entgangene Urlaubsfreude zu verlangen. Eine Pauschalreise liegt vor, wenn zumindest Anreise und Aufenthalt in einem gebucht wurden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2009)