Ahmadinejad: Hohe Zinsen als Ursache der Finanzkrise

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Ahmadinejad(c) EPA (Abedin Taherkenareh)
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Muslimische Länder geißeln den Kapitalismus. "Wucher in Form hoher Zinsen ist der Hauptgrund dafür, dass das System bankrott gegangen ist", sagt der iranische Präsident Ahmadinejad. Im Islam gilt ein Zinsverbot.

Bei einem Treffen der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) haben führende Redner das kapitalistische System für die derzeitige Wirtschafts- und Finanzkrise verantwortlich gemacht. Wucher in Form von hohen Zinsen habe soziale Probleme wie Obdachlosigkeit deutlich verschärft, kritisierte der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad am Montag in Istanbul. Mehrere prominente Teilnehmer pflichteten ihm bei.

"Wucher Hauptgrund für bankrottes System"

"Wucher, der fest im kapitalistischen System verankert ist, ist vermutlich der Hauptgrund dafür, dass das System bankrott gegangen ist", sagte Ahmadinejad. Der somalische Präsident Sheik Sharif Sheik Ahmed prangerte eine mangelnde Transparenz der internationalen Finanzmärkte an. Dagegen basiere das islamische Wirtschaftssystem auf "einer gerechten Aufteilung von Gewinnen und Verlusten und dem Kampf gegen Wucherzinsen sowie gegen unerlaubten Handel". Letzteres bezog sich auf Alkohol, Tabak, Schweinefleisch, Glücksspiele und Waffen.

Kirgistan als Drehscheibe für islamisches Banksystem?

Der Präsident Kirgistans, Kurmanbek Bakijew, bot an, sein Land zur regionalen Drehscheibe für ein islamisches Banksystem zu machen, in dem keine Zinsen erhoben werden dürfen. Zu den eigenen Wirtschaftsproblemen innerhalb der islamischen Welt äußerten sich die Redner nicht.

An dem Treffen in Istanbul nahmen unter anderem auch die Präsidenten von Syrien und Afghanistan, Bashar al-Assad und Hamid Karzai, teil. Der wegen Menschenrechtsverbrechen in Darfur per internationalem Haftbefehl gesuchte sudanesische Präsident Omar al-Bashir verzichtete auf eine Teilnahme, obwohl die Türkei versichert hatte, sie werde ihn nicht festnehmen.

Im Islam gilt Zinsverbot

Im Islam gilt ein Zinsverbot, das ursprünglich auch im Alten Testament der Bibel festgeschrieben wurde. Im Koran wird in der dritten Sure, Vers 130, die Rücknahme des Mehrfachen geliehener Beträge untersagt. Damit Muslime dennoch finanziell ertragreiche Geschäfte abwickeln können, erwerben sie etwa Aktien, da Dividenden nicht als Zinsen gelten. Zudem gibt es so genannte islamischen Anleihen (Sukuk), die das Zinsverbot umgehen, indem Zinszahlungen durch Islam-konforme Gewinngutschriften ersetzt werden.

(Ag.)

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