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Machtspiele im ORF

ORF: Harte Worte zwischen Vize-Direktor und Redaktion

Thomas Prantner im Jahr 2011 im Gang des Bürotrakts auf dem Küniglberg.
Thomas Prantner im Jahr 2011 im Gang des Bürotrakts auf dem Küniglberg.Florian Rainer
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Thomas Prantner erinnern manche Interviews im ORF an einen "Verhörraum" oder eine "Anklagebank". Der ORF-Redakteursrat reagiert scharf auf diese Vorwürfe und wirft ihm Rufschädigung vor.

Wie man sechs Generaldirektoren "überlebt", das wird ORF-Online-Chef Thomas Prantner im aktuellen Magazin "Profil" gefragt. Und er gibt zur Antwort: "Man muss seine Leistung bringen, braucht gute Nerven, Konsequenz und ein kompetentes Team. Glück und Förderer gehören auch dazu." Ergänzen könnte man, dass es auch nützen kann, das eigene Haus nicht öffentlich zu kritisieren. Der 52-jährige Thomas Prantner hat sich in den vergangenen 30 Jahren, die er für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk tätig ist, selten wirklich kritisch zu ORF-Vorgängen geäußert. Doch jetzt hat der Vize-Technikdirektor* offenbar seine Strategie geändert.

Im aktuellen "Profil"-Interview wird er ungewöhnlich deutlich und sagt unter anderem, es sei "unzumutbar, wenn das TV-Studio wie ein Verhörraum oder eine Anklagebank wirkt." Erläutern wollte er mit dieser Antwort eine ähnlich klingende Aussage von Roland Brunhofer. Der gebürtige Oberösterreicher, der bis Ende 2016 das Salzburger Landesstudio dirigiert hat, wird seit Wochen als neuer Channel Manager für ORF 2 genannt, wovor vor allem das manchen zu mächtig erscheinende "Zeit im Bild"-Gespann Fritz Dittlbacher, Dieter Bornemann und Armin Wolf warnt. Weil Brunhofer für seinen ruppigen Umgang mit Mitarbeitern bekannt ist, aus seiner Nähe zur Sozialdemokratie keinen Hehl macht und die von Befürwortern so gern ins Treffen geführten Managementqualitäten sich für manche nicht belegen lassen. Prantner und Brunhofer sitzen jedenfalls gemeinsam in der sechsköpfigen Transformer-Gruppe, die zur Zeit alle ORF-Strukturen auf Effizienz und Einsparungspotenzale durchforstet und Prantner lobt seinen Transformer-Kollegen als "Paradebeispiel eines durchsetzungsfähigen Medienmanagers und kreativen Programmmachers mit großer journalistischer Erfahrung."

Prantners Aussagen sorgten am vergangenen Wochenende sowohl in den sozialen Netzwerken als auch in den Gängen der Hofburg, bei der Verleihung der Romy-Filmpreise von "Kurier" und ORF, für Aufregung und Gesprächsbedarf. Manche sehen in den Aussagen die Handschrift des soeben abgetretenen Landeshauptmanns Erwin Pröll, der seit seinem "Zeit im Bild"-Abschiedsinterview gegen Moderator Armin Wolf wettert. Dabei gilt Prantner eigentlich als FPÖ-nahe - was er zwar nicht bestreitet, aber gerne korrigiert, so auch gegenüber "Profil": Er habe zu allen Parlamentsparteien eine korrekte Gesprächsbasis, "auch zur FPÖ. Das ist nicht nur nicht verboten, sondern im Unternehmensinteresse auch sinnvoll und notwendig, wenn es etwa um gesetzliche Rahmenbedingungen geht."

Redakteursrat: "Vorwurf völlig unangebracht"

Noch am Wochenende reagierte der ORF-Redakteursrat in einem Schreiben, das der "Presse" vorliegt, auf Prantners Aussagen. In der E-Mail, die an alle Direktoren und die Mitarbeiter der TV-Information ging, hieß es, sie hätten sein Interview im "Profil" mit "großer Verwunderung" gelesen. Dass er kritisches Nachfragen in Interviews mit "Anklagebank" und "Verhören" vergleiche, nennt der Redakteursrat "eine derart schwere Anschuldigung" und setzt fort: "Dafür haben Sie sicherlich konkrete Beispiele. Warum nennen Sie diese nicht? Oder verunglimpfen Sie die ORF-JournalistInnen in Bausch und Bogen, um deren Ruf zu schädigen? Aus journalistischer Sicht ist der Vorwurf, Interviews seien Verhöre, völlig unangebracht. Wenn verantwortliche Politiker auf einfache Fragen keine Antworten geben, ist Nachfragen professionelle Pflicht. Zumindest in westlichen Demokratien. Und wenn jemand seinen Live-Auftritt im ZiB-Studio nur dazu benutzen will, immer und immer wieder dieselben Parteiparolen ans Publikum zu richten, ist ein Unterbrechen durch den/die ModeratorInnen einfach notwendiges Service für die SeherInnen. Oder wollen Sie ernsthaft einen Rückfall in Zeiten, als Rundfunk-JournalistInnen ihre Fragen erst bei Politikern einreichen mussten, oder ihnen gar vorgeschrieben wurde, was gefragt werden musste?"

Man sei ebenso überrascht, "dass sich die Technische Direktion jetzt für die Beurteilung von journalistischen Inhalten im ORF-Fernsehen zuständig fühlt und öffentlich Zensuren für redaktionelle Inhalte erteilt. Dass Sie als stellvertretender Technikdirektor des Hauses meinen, ORF-FernsehjournalistInnen öffentlich ausrichten zu müssen, wie Sie Ihre Arbeit zu machen hätten, halten wir nicht nur für unprofessionell, sondern für unzulässig." Zudem sei es verwunderlich, dass Prantner in dem Interview erkläre, wie die TV-Direktion des ORF zu organisieren wäre. "Wir können uns nicht daran erinnern, dass ORF-JournalistInnen je öffentlich diskutiert hätten, ob eine umfassende Strukturreform der technischen Direktion notwendig wäre und wie diese aussehen sollte und wen wir für geeignet, bzw. ungeeignet halten, diverse Positionen in der Technik zu bekleiden."

 

*Thomas Prantner war von 1. Jänner 2007 bis April 2012 als einer von sechs ORF-Direktoren zuständig für die Online-Agenden. Durch die Verkleinerung der Geschäftsführung von sechs auf vier Direktoren verlor er den offiziellen Direktorentitel und ist seither Online-Verantwortlicher in der Technik-Direktion, deren Vize-Chef er ist.

(red.)