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Pakistans Atomarsenal: USA warnen vor Unterwanderung der Armee

Angebliche Verhandlungen über Sicherungseinsatz einer US-Spezialeinheit.

DELHI/Islamabad. US-Außenministerin Hillary Clinton hat bei ihrem jüngsten Pakistan-Besuch mit der dortigen Führung erneut die heikle Frage der Sicherheit des pakistanischen Atomwaffenarsenals angesprochen. Die Frage, was konkret besprochen wurde, beantwortet das US-Magazin „New Yorker“ in ihrer aktuellen Ausgabe: Es gebe Gespräche zwischen Washington und Islamabad, wonach „speziell trainierte“ US-Truppen im Krisenfall“ Pakistans Atomwaffen sichern sollen. Mehrere aktive und ehemalige Spitzenbeamte in Washington und in Pakistan hätten bestätigt, dass solche Verhandlungen im Gange seien.

Washingtons größte Sorge sei dabei nicht, dass bewaffnete Militante die Nuklearanlagen des Landes angreifen und besetzen könnten. Jedoch wachse die Sorge, dass Extremisten die Armee unterwandern und Atomwaffen in Besitz nehmen könnten.


Insiderinfos für Extremisten

Die Sorge ist nicht unberechtigt: In den vergangenen Wochen hat es mehrere Angriffe auf Einrichtungen von Staat und Armee gegeben, bei denen die Angreifer Uniformen von Polizei oder der Armee getragen haben. Unter anderem gelang es Bewaffneten in Polizeiuniformen, in das Armeehauptquartier in Rawalpindi einzudringen und dort Geiseln zu nehmen.

Dass die Taliban und andere militante Gruppen Insiderinformationen erhalten, erscheint daher plausibel. Ob Militante bereits so tief in den Sicherheitsapparat eingedrungen sind, dass es ihnen gelingen könnte, Atomwaffen in ihre Hände zu bekommen, ist jedoch fraglich.

In jedem Fall ist Washingtons Einfluss auf Staat und Armee in Pakistan selbst ein großes Reizthema. Entsprechend scharf fielen die Dementis zum „New Yorker“-Artikel aus: Das Außenamt in Islamabad erklärte, der Bericht sei „haltlos“. Pakistan benötige keine internationale Unterstützung bei der Sicherung seiner Kernwaffen. Auch die US-Botschafterin in Islamabad, Anne Patterson, wiegelte ab. Die Schlussfolgerungen aus dem Artikel seien falsch. Washington beabsichtige nicht, Pakistans Atomwaffen in Besitz zu nehmen.

Ähnlich harsche Dementis hatte es bisher nur bei den US-Drohnenangriffen auf vermeintliche Terroristenziele im Nordwesten des Landes gegeben. Islamabad kritisierte die US-Angriffe stets harsch und bestritt vehement, die Erlaubnis zu den Attacken gegeben zu haben. Die Kritik endete erst, als eines Tages Satellitenaufnahmen US-Drohnen auf einem pakistanischen Flughafen zeigten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2009)