Wien wurde aus Gründen der Konkurrenz als Käufer ausgeschlossen.
Wien/Warschau (Reuters/DJ/hie). Die polnische Regierung hat ihre Not damit, die Warschauer Börse an den Mann zu bringen. Seit Monaten sucht das Finanzministerium nach Käufern – doch von ursprünglich vier Interessenten hat einzig die Deutsche Börse ein Angebot für eine Mehrheitsbeteiligung abgegeben. Auch die New Yorker Börsen NYSE Euronext und Nasdaq OMX sowie die London Stock Exchange waren zuvor eingeladen worden, Übernahmeangebote zu legen.
Das polnische Finanzministerium will einen Anteil zwischen 51 und 73,8 Prozent an einen privaten Mehrheitsaktionär verkaufen. Weiters sollen 22,82 Prozent in Minderheitsbeteiligungen von einem halben bis zehn Prozent aufgeteilt werden. An einer Minderheitsbeteiligung interessiert seien laut Informationen des polnischen Finanzministeriums die zur Bank-Austria-Mutter UniCredit gehörende polnische Bank Pekao und die spanische Banco Espiriti Santo de Investimento.
Privatisierung könnte kippen
Auch die Wiener Börse war interessiert. Als Hauptkonkurrentin der Warschauer Börse in Mittel- und Osteuropa wurde sie allerdings vom polnischen Schatzministerium als Käuferin ausgeschlossen. Sollte Polen Wien aus dem Privatisierungsverfahren ausschließen, wolle man sich an die EU wenden, hieß es dazu noch im Februar aus der Wiener Börse. Gestern, Montag, wollte sich Sprecherin Beatrix Exinger auf Anfrage nicht festlegen: „Wir halten uns alle Schritte offen.“
Die Warschauer Börse, an der 376 Unternehmen mit einem Marktwert von zuletzt rund 235 Milliarden Dollar notieren, ist eine der letzten im Staatsbesitz stehenden Börsen. Angesichts mangelnden Interesses steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie das auch in Zukunft bleibt: Sollte das Angebot der Deutschen Börse in Polen nicht auf Gegenliebe stoßen, könnte die Privatisierung kippen, wie aus informierten Kreisen zu vernehmen ist.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2009)