Anfang vom Ende? Alitalia kommt unter Aufsicht eines Sonderverwalters

Alitalia droht das Aus
Alitalia droht das Aus AFP (ALBERTO PIZZOLI)
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Alitalia-Aktionäre wollten sich dafür verpflichten, der Airline zwei Milliarden Euro zuzusteuern, neue Maschinen zu erwerben und neue rentable Langstreckenrouten zu eröffnen. Nach dem Nein der Mitarbeiter zum Sanierungsplan droht aber das Aus. Ein Sonderverwalter wird eingesetzt.

Nachdem die Alitalia-Belegschaft mit klarer Mehrheit gegen einen Rettungsplan gestimmt hat, der die Streichung von circa tausend Jobs und die Reduzierung der Gehälter vorsieht, droht der maroden italienischen Airline das Aus. Der Plan wurde von 70 Prozent der 12.000 Alitalia-Beschäftigten abgelehnt.

"Das ist ein wahrer Selbstmord für die ganze Airline", klagte ein Gewerkschaftssprecher, der mit dem Management den Rettungsplan ausgehandelt hatte. Der italienische Premier Paolo Gentiloni hatte am Sonntag gewarnt, dass die Alternative zum Rettungsplan der Konkurs sei. Eine Verstaatlichung des ehemaligen Monopolisten sei nicht möglich, sagte der Premier. Dennoch weigerte sich die Belegschaft, für den Rettungsplan zu stimmen, der unter anderem Kürzungen bei den Personalkosten in Höhe von 670 Millionen Euro binnen fünf Jahren vorsieht.

Die Aktionäre wollten sich dafür verpflichten, der Airline zwei Milliarden Euro zuzusteuern, neue Maschinen zu erwerben und neue rentable Langstreckenrouten zu eröffnen. Der mühsam mit den Gewerkschaften ausgehandelte Plan überzeugte die kämpferische Belegschaft nicht. "Mit dem Nein zum Plan wollen wir unsere Würde als Arbeitnehmer verteidigen", sagte eine 51-jährige Stewardess, die seit 20 Jahren bei Alitalia arbeitet. "Niemand glaubt, dass der Rettungsplan wirklich die Airline über Wasser halten würde", meinte ein Pilot.

Die Belegschaft kritisiert das Management scharf. Der vor einem Jahr eingesetzte australische CEO Cramer Ball sei gerufen worden, um die Airline zu sanieren, er sei jedoch gescheitert. "Jetzt wird er mit einer Abfertigung in Millionenhöhe das Unternehmen verlassen", kritisierte ein Alitalia-Pilot.

Die Ablehnung des Rettungsplans löste Bestürzung in der Regierung sowie im Alitalia-Aufsichtsrat aus. Der Alitalia-Board startete am Dienstag mit der Prozedur, um die Gesellschaft unter Aufsicht eines Sonderverwalters zu stellen. Dieser könnte die Auflösung der Fluglinie beschließen oder sich auf die Suche nach Interessenten machen. Nicht ausgeschlossen wird, dass die ehemalige staatliche Airline zerstückelt verkauft wird.

Das Geld geht aus

Angesichts der Unmöglichkeit zur Rekapitalisierung wurde eine Hauptversammlung der Aktionäre am Donnerstag einberufen. Der Flugbetrieb bleibt aufrecht, hieß es in einer Presseaussendung des Alitalia-Aufsichtsrats. Italienische Aktionäre Alitalias, wie die Bank-Austria-Mutter UniCredit, hatten zuletzt betont, sie seien nicht mehr bereit, weiteres Geld in die Airline zu stecken. Insidern zufolge droht der Alitalia in wenigen Wochen das Geld auszugehen. Konsumentenschutzverbände forderten Garantien für die Kunden, die bereits Alitalia-Fahrkarten erworben haben. Linksparteien forderten eine Verstaatlichung der Airline.

Alitalia schreibt seit vielen Jahren Verluste. Auch der Einstieg der Golf-Airline Etihad mit einer Beteiligung von 49 Prozent und Finanzspritzen des Anteilseigners halfen nicht. 2016 lief ein Verlust von 460 Millionen Euro auf, auch für heuer wird ein Minus von mehreren hundert Millionen Euro erwartet. In den letzten Jahren hat Alitalia die Konkurrenz von Low-Cost-Gesellschaften stark zu spüren bekommen. Auch der Erfolg der Hochgeschwindigkeitszüge auf der für Alitalia einst sehr rentablen Strecke Rom-Mailand hat der Fluggesellschaft große Einnahmenrückgänge verursacht.

(APA)

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