Wien - Christian Kerns Achillesferse

Dossier Spannung vor dem SPÖ-Landesparteitag am Samstag: Brechen die Lagerkämpfe offen aus oder wird nach außen Ruhe bewahrt? Ohne die Wähler Wiens wackelt der Kanzler-Sessel.
von Anna Thalhammer, Martin Stuhlpfarrer, Dietmar Neuwirth und Hans-Werner Scheidl

Jedes erste Jahr hat es naturgemäß an sich, dass vieles zum ersten Mal passiert. Das gilt auch noch, wenn Christian Kerns erstes Jahr als Politiker in Kürze zu Ende geht. Also steht er am Montag zum ersten Mal auf der Tribüne des Wiener Rathausplatzes und erlebt den Mai-Aufmarsch der von Jahr zu Jahr kleiner werdenden SPÖ-Sektionen und -Organisationen aus neuer Perspektive. Also besucht er schon vorher, am Samstag, zum ersten Mal den Landesparteitag der Wiener SPÖ und hält dort auch eine Rede. Für einen Bundeskanzler, der gleichzeitig SPÖ-Vorsitzender ist, gilt das als Pflicht.

Wenn Christian Kern die Halle D der Messe Wien betritt, tut er dies wahrscheinlich nicht ohne Bangen. Die Partei der Bundeshauptstadt gilt traditionell als besonders wichtige, wenn nicht die wichtigste Landesorganisation der SPÖ. Immerhin jeder Fünfte, der bei der vergangenen Nationalratswahl im Kreis neben der Liste SPÖ sein Kreuz gemacht hat, tat dies in Wien. Ohne kampfkräftige, geschlossene Wiener Partei wird Kern die Zeit am Ballhausplatz schwer verlängern können.

Wobei: Kampfkräftig ist sie ja nach wie vor, die Wiener SPÖ. Nur richtet sich die Kampfkraft weniger nach außen – deutlich mehr nach innen. Die seit Monaten offen und verdeckt geführten Lager- und Diadochenkämpfe sind es, die Christian Kern beunruhigen. Und natürlich den Vorsitzenden der zerstrittenen Landespartei selbst, Michael Häupl, der am Ende seiner Amtszeit als Wiener Bürgermeister steht.