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Milliardenverlust bei der Hypo Kärnten

(c) APA (Gert Eggenberger)
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Die Hypo Alpe Adria braucht eine Kapitalerhöhung, die Tochter der BayernLB erwartet für heuer einen Verlust von deutlich mehr als einer Mrd. Euro. Das Land Kärnten will kein Geld mehr zuschießen.

Wien (höll). Bei der Hypo Group Alpe Adria hat sich die Lage dramatisch verschlimmert. Das Institut teilte am Dienstag mit, heuer einen Verlust von „deutlich mehr als einer Milliarde Euro“ zu erwirtschaften. Das ist für das Institut ein neuer Rekord. Bereits im Vorjahr war die Tochter der Bayerischen Landesbank (BayernLB) wegen riskanter Geschäfte am Balkan mit 520Mio.Euro tief in die roten Zahlen gerutscht.

In der Regierung schrillen die Alarmglocken. Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) sprach gestern von einer „dramatischen Entwicklung“. Die Hypo Kärnten zeige, wie wichtig das Bankenhilfspaket sei. Nun müsse sich die BayernLB vor allem die „strategische Ausrichtung“ der Bank überlegen. Für den österreichischen Steuerzahler könnte das Hypo-Engagement teuer kommen. Im Vorjahr hatte der Staat die BayernLB-Tochter mit 900Mio.Euro unterstützt. Im Vertrag mit dem Finanzministerium gibt es aber den Passus, dass die Institute in Verlustjahren keine Zinsen zahlen müssen. Laut Einschätzung der Ratingagentur Moody's wird die Hypo Group erst 2012 die Gewinnzone erreichen. Damit würden dem Staat in Summe 250Mio.Euro entgehen.

Die Hypo ist nicht der einzige Problemfall. Auch die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) hatte am Wochenende für die ersten drei Quartale 2009 einen Rekordverlust von 607Mio.Euro gemeldet. Das Volksbanken-Spitzeninstitut ist daher nicht in der Lage, die Zinsen für das Staatskapital 2009 und 2010 zu zahlen. Damit entsteht dem Finanzminister ein weiterer Ausfall von 186Mio.Euro.

Die BayernLB hat den Wirtschaftsprüfer PriceWaterhouseCoopers (PWC) mit der Überprüfung aller Kreditgeschäfte der Hypo beauftragt. Die Ergebnisse sollen Ende November vorliegen. Das Institut ist vor allem in Kroatien hohe Risken eingegangen.

Wegen der prekären Situation hat der Vorstand für 10.Dezember eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Dort soll eine Kapitalerhöhung beschlossen werden. Die Höhe steht noch nicht fest. Dem Vernehmen nach geht es um mindestens eine Mrd. Euro. Das Land Kärnten, das noch mit einem kleinen Anteil an dem Kreditinstitut beteiligt ist, will kein Geld mehr zuschießen. Ob die Grazer Wechselseitige-Versicherung als zweitgrößter Anteilseigner mitziehen wird, ist offen.

Eine Sprecherin der Hypo Group sagte, die Bank plane keine weitere Aufnahme von Staatskapital: „Die Kapitalstärkung wird durch die Eigentümer erfolgen.“ In Bayern sieht man die Situation ein wenig anders. Dort wird nicht ausgeschlossen, noch einmal den österreichischen Staat um Hilfe zu bitten. Wie es mit der Bank weitergeht, ist offen. Die BayernLB will die Österreich-Tochter so rasch wie möglich loswerden. Gerüchten zufolge soll die bayerische Landesregierung die Hypo Kärnten vor einem Jahr der Republik Österreich zum Preis von einem Euro angeboten haben. Doch Finanzminister Pröll winkte ab. Er will auch jetzt nicht von seinem Recht Gebrauch machen, die Bank zu verstaatlichen.

 

Kärnten haftet mit 20Milliarden Euro

Eine Pleite des Instituts ist ausgeschlossen. Denn das Land Kärnten hat für die Bank Haftungen in der Höhe von 20Mrd.Euro übernommen. Diese laufen erst 2017 aus. Die BayernLB will die Österreich-Tochter sanieren und mittelfristig verkaufen.

Vor zwei Jahren zahlten die Bayern für die Hypo 1,7Mrd.Euro. Bei der Übernahme erklärte Ex-Landeshauptmann Jörg Haider, er übergebe eine gesunde Bank. Doch das Gegenteil war der Fall. Seit 2007 haben die Eigentümer sowie der österreichische Staat schon zwei Mrd. Euro nachgeschossen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2009)