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„Liebesheirat“: Grüne holen Caritas-General

„Liebesheirat“: Grüne holen Caritas-General
(c) APA (Hans Klaus Techt)

Die Grünen bekommen einen neuen Bundesgeschäftsführer. Caritas-Generalsekretär Stefan Wallner wird Michaela Sburny ersetzen.

WIEN (pri). Es war im Oktober 2008, als Stefan Wallner, damals Generalsekretär der Caritas, in einem Interview mit der „Presse“ Folgendes über sich sagte: „Müsste man einen Job für mich erfinden, wäre er genau der, den ich jetzt habe.“

Doch die Zeiten ändern sich schnell. Ein gutes Jahr später wechselt Wallner nicht nur den Job, sondern auch die Seiten: von der „sozialen Reparaturwerkstatt“ Caritas, wie er es nennt, in die Politik. Der Bundesvorstand der Grünen hatte ihn Montagabend einstimmig für den Posten des Bundesgeschäftsführers nominiert. Am Dienstag wurde er von Bundessprecherin Eva Glawischnig der Öffentlichkeit präsentiert.

Es sei an der Zeit gewesen, „Farbe zu bekennen“, sagte Wallner. Das Engagement bei den Grünen sei „eine Liebesheirat und keine Vernunftehe“. Er wolle die Gesellschaft „im positiven Sinne verändern“. Der offizielle Hochzeitstermin ist allerdings erst am 4.Dezember. Denn da muss sich der Nominierte der (formellen) Wahl im Erweiterten Bundesvorstand stellen. Sein neues Amt – und damit die Nachfolge von Michaela Sburny – wird Wallner dann mit 1.Jänner 2010 antreten.

Glawischnig machte erst gar kein Geheimnis daraus, dass sie trotz offizieller Ausschreibung intensiv um den 38-Jährigen geworben hatte: Weil er nicht nur „ein ausgewiesener Sozialexperte“, sondern auch „einer der führenden Köpfe der Zivilgesellschaft“ sei. In Wahrheit ist Wallner mit seinem sozialkatholischen Hintergrund auch ein grünes Signal an die bürgerliche Wählerschaft (obwohl Glawischnig das bestreitet). Er verhehlt nicht, dass sein berufliches Engagement einer „religiösen Motivation“ entspringe.

Es ist also kein Zufall, dass der gebürtige Steirer seine Laufbahn als Generalsekretär der Katholischen Hochschuljugend begonnen hat. Wallner studierte Rechtswissenschaften, Politikwissenschaften und Geschichte, war wissenschaftlicher Mitarbeiter der Julius-Raab-Stiftung und ließ sich im Laufe der Jahre zum Kommunikationstrainer, Mediator, Controller für Non-Profit-Organisationen und Organisationsentwickler ausbilden. Zur Caritas kam Wallner über den Zivildienst. Schnell stieg er zum sozialpolitischen Referenten und, mit gerade einmal 28 Jahren, zum Generalsekretär auf. Er gilt als Experte in Armutsfragen und machte sich vor allem als scharfer Kritiker des Fremdenrechts einen Namen.

Montagnachmittag hatte der dreifache Familienvater mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt eingereicht. „Ich wollte eine klare Trennlinie zur Politik ziehen.“ Seine Agenden übernimmt vorerst Christoph Petrik-Schweifer.

 

Sondersitzung: „Uni-Notstand“

Mit Wallner haben die Grünen die personelle Umbildung an der Parteispitze abgeschlossen. Das Team sei „nun komplett“ und für „das kommende Wahljahr gerüstet“, frohlockte Glawischnig – und widmete sich wieder der Tagespolitik. Denn für Donnerstag wird nun die von den Grünen beantragte Sondersitzung des Nationalrats einberufen. Thema: „Notstand an den Universitäten“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2009)