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Nordkorea: Trumps Doppelstrategie gegen Kim

US-Präsident Donald Trump blickt am 100. Tag seiner Amtszeit zurück.
US-Präsident Donald Trump blickt am 100. Tag seiner Amtszeit zurück.(c) REUTERS (CARLOS BARRIA)

Der US-Präsident warnt Pjöngjang vor einem Krieg. Gleichzeitig mehren sich Signale, dass die USA Gespräche erwägen.

Washington/Wien. Zuletzt hatte er seinen Ton etwas gemäßigt – doch nun setzt Donald Trump in der Nordkorea-Krise wieder auf rhetorische Eskalation: „Es ist schon möglich, dass wir bald einen großen, großen Konflikt mit Nordkorea haben werden“, warnte der US-Präsident in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich schließe nicht aus, dass diplomatische Bemühungen scheitern werden.“

Noch am Mittwoch hatte das Weiße Haus signalisiert, doch lieber den diplomatischen Weg gehen zu wollen, um das stalinistische Regime zur nuklearen Abrüstung zu bewegen: So wurden unter anderem noch strengere Wirtschaftssanktionen angedeutet, die auch auf UN-Ebene verabschiedet werden sollten. Freitagabend wurde unter der Ägide des US-Außenministers, Rex Tillerson, im UN-Sicherheitsrat darüber beraten.

 

Dreht China den Ölhahn zu?

Gleichzeitig lassen die Amerikaner aber demonstrativ die militärischen Muskeln spielen: Zu Wochenbeginn legte ein US-Atom-U-Boot in Südkorea an, zudem nähert sich gerade ein US-Flugzeugträger koreanischen Gewässern. Möglicherweise soll diese Drohkulisse China dazu bewegen, stärker auf seinen unberechenbaren Alliierten einzuwirken. Nordkorea ist von China wirtschaftlich abhängig, wobei die bilateralen Beziehungen derzeit frostig sind. Doch Peking will keinen Regimewechsel, der sich destabilisierend auf China auswirken könnte. Die unabsehbaren Konsequenzen eines Kriegs fürchtet das KP-Regime freilich noch mehr.

Trump, der erst vor wenigen Wochen Xi Jinping in Florida empfangen hatte, äußerte sich auffallend freundlich über den chinesischen Staatschef: Xi bemühe sich stark, Pjöngjang zum Einlenken zu bewegen. „Ich weiß aber nicht, ob er Erfolg haben wird.“ Das könnte als indirekte Aufforderung an China verstanden werden, endlich noch entschiedenere Schritte zu setzen. Tatsächlich hat China die Gangart gegenüber dem kleinen Nachbarn zuletzt verschärft. Kohleimporte wurden gestoppt; angeblich erwägt Peking, Ölexporte zu beenden, was das bitterarme Nordkorea in die Knie zwingen würde.

 

„Kim hatte es nicht leicht“

Tillerson erklärte jetzt öffentlich, dass Peking Pjöngjang mit Sanktionen gedroht habe, sollte Nordkorea einen weiteren Atomtest unternehmen. In China ruderte man aber schnell zurück und signalisierte dem Weißen Haus, die Erwartungen herunterzuschrauben: „Wir allein können das Nordkorea-Problem nicht lösen“, hieß es. „Gemeinsame Anstrengungen“ seien erforderlich.

Peking hat die USA stets aufgefordert, mit Nordkorea zu verhandeln. Auch Kim Jong-un pocht auf einen direkten Dialog – unter der Bedingung, dass Nordkorea als Atommacht anerkannt wird. Zum Nordkorea-Zickzack-Kurs der Trump-Regierung würde passen, dass auch diese Option in Erwägung gezogen wird. So zeigte sich Tillerson in einem Interview am Freitag überraschend offen für bilaterale Gespräche: „Durch Dialog würden wir das Problem am allerliebsten lösen.“ Dafür müsste aber Nordkorea bereit sein, „über die richtige Agenda zu reden“. Er ließ offen, was damit gemeint sei.

Die „Washington Post“ interpretiert auch Passagen des Trump-Interviews als Gesprächsangebot. Auffallend sei das plötzliche Einfühlungsvermögen für Kim: Der Diktator sei jung gewesen, als sein Vater starb und er dessen Nachfolge angetreten habe, sagte der Präsident. „Sagen Sie, was Sie wollen. Das ist nicht leicht in dem Alter.“ Im Wahlkampf hatte Trump sich bereit erklärt, Kim zum Hamburger-Essen zu treffen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2017)