Jeder vierte Arbeitslose ist über 50 Jahre alt

Sozialminister Alois Stöger: deutlich mehr offene Stellen
Sozialminister Alois Stöger: deutlich mehr offene StellenAPA/HERBERT NEUBAUER

Die Lage auf dem österreichischen Arbeitsmarkt hat sich weiter entspannt. Ältere Arbeitslose tun sich allerdings immer schwerer, einen Job zu finden.

Die Lage auf dem österreichischen Arbeitsmarkt hat
sich weiter entspannt: Ende April waren einschließliche
Schulungsteilnehmern 413.683 Menschen ohne Arbeit, um 2,6 Prozent
(11.014 Personen) weniger als vor einem Jahr. Arbeitslos gemeldet
waren 337.923 Personen, ein Rückgang um 4,5 Prozent.

Die nationale Arbeitslosenquote ist im Jahresabstand um 0,5
Prozentpunkte auf 8,6 Prozent gesunken. Nach internationalen
Maßstäben beträgt die jüngste verfügbare Quote (März) gemäß Eurostat 5,9 Prozent - der EU-Durchschnitt liegt bei 8,0 Prozent.

Die Belebung der Wirtschaft zeige sich vor allem an der
deutlichen Zunahme der gemeldeten offenen Stellen um 41,1 Prozent
auf 55.530, so das Sozialministerium am Montag. Insgesamt waren Ende
April 3.607.000 Menschen unselbstständig beschäftigt, um 64.000 mehr
als vor einem Jahr. Entgegen dem Gesamttrend verschärft hat sich die
Situation für ältere Arbeitssuchende, deren Zahl um 4,9 Prozent auf
102.520 gestiegen ist. Somit war etwa jeder vierte Arbeitslose über
50 Jahre alt.

Jugendarbeitslosigkeit stark rückläufig

Deutlich positiver als bei den älteren Arbeitslosen
ist der Trend bei den Jugendlichen (15 bis 24 Jahre) - hier ist die
Arbeitslosigkeit im Jahresabstand um 16,1 Prozent zurückgegangen.
Die Zahl der Lehrstellensuchenden ist um 4,7 Prozent auf knapp 5.000
gesunken, die gemeldeten offenen Stellen haben um 28,5 Prozent auf
4.274 zugenommen.

"Was wir bei den Jugendlichen geschafft haben, können wir auch
bei den älteren Arbeitssuchenden schaffen", sagte Sozialminister
Alois Stöger (SPÖ) laut Aussendung und verweis dabei auf die "Aktion
20.000", mit der Langzeitarbeitslose ab 50 Jahren einen Job in
gemeinnütziger Arbeit finden sollen. "Die Vorbereitungen der
Pilotregionen in den Bundesländern laufen sehr gut."

Erstmals rückläufig ist die Arbeitslosigkeit diesmal bei den
Ausländern. Mit 99.626 liegt die Zahl um 2.009 bzw. 2,0 Prozent
unter dem Wert des Vorjahres. Bei den Inländern fällt der Rückgang
mit 5,5 Prozent (13.942) noch deutlich stärker aus.

Bei den Männern war der Rückgang der Arbeitslosigkeit (-5,7
Prozent) deutlicher als bei den Frauen (-3,1 Prozent), allerdings
sind noch immer deutlich mehr Männer (185.904) ohne Arbeit als
Frauen (152.019).

Regional betrachtet ist die Arbeitslosigkeit in allen
Bundesländern zurückgegangen. Überdurchschnittlich stark war das in
Tirol (-10,1 Prozent), der Steiermark (-9,4 Prozent), im Burgenland
(-8,5 Prozent) und in Salzburg (-6,8 Prozent) der Fall. In Wien
beträgt der Rückgang 2,5 Prozent.

Entwarnung nicht angesagt

Der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt stimmt
AK-Präsident Rudolf Kaske "zwar vorsichtig optimistisch. Aber
Entwarnung ist für mich noch lange nicht angesagt", erklärte Kaske
am Montag in einer Aussendung und forderte eine Ankurbelung der
Wirtschaft durch mehr öffentliche Investitionen und Qualifizierung.

So tritt die AK u.a. für ein existenzsicherndes
Qualifizierungsgeld und einen Rechtsanspruch auf eine bezahlte
Weiterbildungswoche pro Jahr ein sowie für einen Schutz des
Arbeitsmarktes durch mehr Maßnahmen gegen Lohn- und Sozialdumping
und eine Ausweitung des Bestbieterprinzips.

IV-Generalsekretär Christoph Neumayer sieht hingegen vor allem in
flexibleren Arbeitszeiten und einer Senkung der Lohnnebenkosten den
Schlüssel zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen. "Durch die
Möglichkeit von Gleitzeitvereinbarungen bis zu zwölf Stunden auch
mit längeren Freizeitblöcken können Jobs gesichert und die
Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit gefördert werden",
sagte Neumayer in einer Aussendung. Die Lohnnebenkosten müssten "in
Richtung deutsches Niveau" gesenkt werden, etwa der Beitrag zum
Insolvenzentgeltfonds. "Eine Ausweitung bei der sechsten
Urlaubswoche oder andere Arbeitszeitverkürzungen verteuern Arbeit
jedoch weiter und gefährden Arbeitsplätze und den Standort
insgesamt."

APA

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